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Die Lizenz zum Sprengen: 45 000 Absolventen seit 1961 an der Dresdner Sprengschule

Die Lizenz zum Sprengen: 45 000 Absolventen seit 1961 an der Dresdner Sprengschule

Die Heidenschanze liegt "weit ab vom Schuss" idyllisch in einem Seitental des Plauenschen Grundes - und das ist gut so, denn hier knallt es wirklich ab und zu.

Von Monika Löffler

Nicht ernsthaft, sondern nur zu Übungszwecken. An der Heidenschanze befindet sich die Dresdner Sprengschule GmbH und da wird nicht nur Theorie gelehrt, sondern auch Praxis und die ist in diesem Metier nun mal laut. "Scharf" geschossen wird hier allerdings nicht.

An der Schule werden Sprengmeister und Feuerwerker in den Bereichen Kampfmittelbeseitigung, Sprengtechnik, Gefahrguttransporte und Pyrotechnik ausgebildet. Egal ob irgendwo ein Schornstein, ein altes Haus oder ein Tunnel in einen Berg gesprengt wird, Pyrotechniker ein Feuerwerk an den Himmel zaubern oder eine Bombe entschärft werden muss - viele der Experten, die da am Werk sind, haben sich ihr Rüstzeug in der Dresdner Sprengschule geholt. Als Sprengmeister braucht man eine staatliche Anerkennung. Die Ausbildung dafür gibt es in der Dresdner Sprengschule. "Eine Berufsausbildung im eigentlichen Sinne ist das allerdings nicht", erklärt Günter Fricke, einer der beiden Geschäftsführer der Schule. "Wir setzen spezielle Grund- und Fachkenntnisse voraus. Man muss mindestens 21 Jahre alt sein und schon einige Zeit als Sprenghelfer bei einer Firma gearbeitet haben. Die Ausbildung erfolgt dann in Grund-, Weiterbildungs- und Sonderlehrgängen und vermittelt theoretisches und praktisches Wissen". Die Fachkundelehrgänge müssen aller fünf Jahre wiederholt werden. Experten der sächsischen Ministerien nehmen die Prüfungen ab. "Wenn es Gefahren gibt, müssen die Leute, die die Gefahren beseitigen oder sich ihnen aussetzen, auch dafür ausgebildet werden - sonst kann das Ganze ein Himmelfahrtskommando werden", sagt Fricke.

Er ist zuständig für den Bereich Kampfmittelbeseitigung. Dazu gehört das Aufsuchen, Freilegen, Bergen und Entschärfen von Munition und die Koordinierung von Absperr- und Evakuierungsmaßnahmen. Diese Arbeiten erledigen in Sachsen der Staatliche Kampfmittelbeseitigungsdienst oder gewerbliche Kampfmittelbeseitigungsfirmen. Sind ein Transport oder eine Entschärfung nicht möglich, muss vor Ort gesprengt werden, das dürfen dann allerdings nur die Staatlichen "Bombenexperten".

Die Schule ist gut besucht. Munitionsräumkräfte haben in Sachsen viel zu tun. Sie holen jährlich 300 bis 400 Tonnen Munition aus dem Erdboden. Bei einem solch brisanten Job kann jeder Fehler schlimme Folgen haben. "Es gibt Sprengkörper die sich sehr ähnlich sehen", erklärt Fricke. "Der Aufbau, die Hülle, die Sprengladung, der Zünder - alles sieht fast gleich aus. Aber eben nur fast. Da muss man genau wissen, was vor einem liegt. Ein 'könnte' kann tödlich enden". Die Schule vermittelt das Wissen über die technischen Details. Hunderte Granaten, Bomben, Minen und Zünder stehen als "Lehrmaterial" zur Verfügung. Am sogenannten Krabbeltisch, der aussieht wie ein Wühltisch im Kaufhaus, lernen die Absolventen die Unterschiede oder Gemeinsamkeiten der einzelnen Fundmunition kennen. Und da gibt es viel kennenzulernen. Denn Munition ist keine neue Erfindung. Kampfmunition gibt es seit rund 150 Jahren. Jede Nation hatte da ihre eigenen Erfindungen - wurde Munition erbeutet, wurde sie häufig auch umgearbeitet und angepasst, was eine genaue Sondierung noch schwieriger macht.

Die Schule hat seit einigen Jahren eine umfangreiche Munitionsdatenbank. Rund 3400 Datenblätter stehen derzeit zur Verfügung. Das Grundmaterial wird auch für andere Länder aufgearbeitet. Da fanden und finden auch Lehrgänge für Nachbarländer, zum Beispiel Österreich, Holland oder die Schweiz statt. Und die Ausbilder geben Tipps und Hilfestellung zur Minenräumung in Krisenregionen.

Sprengkörper wurden aber nicht nur verschossen und abgeworfen, sondern nach dem Krieg auch weggeworfen. "Munition", so Fricke "wurde in Binnengewässern und in der Nord- und Ostsee verklappt. Und nicht nur dort. Es gibt wohl kaum einen Dorfteich, wo nichts rein geworfen wurde". Spezialisiert hat sich die Schule auf Munition aus dem Zweiten Weltkrieg und aus der ehemaligen Sowjetunion. Nach der Wende gab es vor allem mit sowjetischer Munition Schwierigkeiten. "Die Sowjettruppen waren abgezogen, die NVA aufgelöst und keiner wusste so richtig, was da noch wo liegt und in welchem Zustand die Munition ist. Aber die ehemaligen Militärflächen mussten geräumt werden", erzählt Fricke. Er kam 1992 an die Sprengschule. Als Waffentechnischer Offizier bei der NVA und Experte für Munition des Warschauer Pakts verfügte er über das nötige Fachwissen und war genau der richtige Mann.

45 000 Absolventen hat die Sprengschule Dresden seit ihrer Gründung 1961 ausgebildet. Seit 1992 waren es allein im Bereich Kampfmittelbeseitigung über 4000 Absolventen. Viele von ihnen waren seitdem in aller Welt im Einsatz.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.05.2012

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