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Die 26-jährige Rachel Fletcher aus England lebt seit 2010 in Dresden und gibt Sprachkurse in ihrer Muttersprache

Die 26-jährige Rachel Fletcher aus England lebt seit 2010 in Dresden und gibt Sprachkurse in ihrer Muttersprache

I think I spider! I make it not much longer with! I laugh me broken! - Understand you just train station? Nun, dann geht es euch vielleicht manchmal so wie Rachel Fletcher.

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Obwohl Rachel Fletcher bei ihrer Arbeit in der Sprachschule eine lockere Atmosphäre mag, kann sie auch mal streng werden. Schließlich möchte sie, dass ihre Schüler etwas lernen.

Quelle: Christian Juppe

Die 26-jährige Britin kennt die irrtümlichen und mitunter ziemlich lustig anmutenden Redewendungen der Deutschen, wenn diese versuchen, Englisch zu sprechen. Sie kennt solche Ausrutscher sogar ziemlich gut, denn Rachel ist ein sogenannter "English Instructor". An der "Berlitz"-Sprachschule in Dresden unterrichtet sie kleine Kinder, Jugendliche, Geschäftsmänner und Ältere - quer Beet eben. Ein weiterer beliebter Fehler der Deutschen sei, ihren Nachnamen mit "s" zu schreiben: Fletscher. "Das kommt wirklich oft vor", lacht sie. Vielleicht haben die Deutschen ja ein Bedürfnis, alles "einzudeutschen"- siehe oben.

Rachel hat viel zu erzählen. Schon während ihres Deutsch- und Französisch-Studiums in Bristol zog es sie hinaus in die Welt. Sie war schon in Frankreich und hat dort als Animateurin gearbeitet und besuchte mehrere Male Deutschland. Anfangs konnte sie nur wenig Deutsch, das Geld war knapp - aber Rachel ist das Risiko mutig eingegangen. Über ihre Uni kam sie 2008 nach Dresden. Dort hat sie als "Language Assistent" an einer Schule in Klotzsche gearbeitet - und sich sofort in die Stadt verliebt. Zwei Jahre später hat sie dann beschlossen, einfach hier herzuziehen. Den Mutigen gehört die Welt!

Heute ist Dresden so was wie "eine zweite Heimat". Wenn man sie fragt, warum das so sei, dann gehen ihr die Argumente auch nicht aus: "Das Nachtleben, die Kirchen, die Museen, die barocke Architektur, die vielen kleinen Kinos, die Independent-Filme zeigen, die Größe der Stadt", erklärt sie und holt kaum Luft dabei. "Die Leute sind sehr offen und freundlich, auch die älteren. Und die Stadt ist sehr sicher", ergänzt sie.

Aber als eine echte Britin vermisst Rachel manchmal die "feine englische Art". "Vielleicht bin ich da auch ein bisschen zu sensibel", meint sie. "Aber solche Dinge wie die Tür aufhalten, die Leute in der Bahn erst aussteigen zu lassen, immer danke und bitte sagen- das gehört in England einfach dazu." Damit will sie nicht sagen, dass Deutschland unhöflich sei, aber es gebe eben Unterschiede in der Kultur. "Hier ist man immer ehrlich und direkt. Das ist auf der einen Seite auch schön, aber mir fällt das manchmal schwer. In England zeigt man auch in einem Small Talk Interesse."

Was für Rachel ebenso selbstverständlich ist: Sie liebt schwarzen Tee mit Milch und - Wer hätte das gedacht? - die Beatles. Gut, das muss jetzt nicht unbedingt dem englischen Klischee entsprechen, schließlich mögen auch Leute in Deutschland diese Band. Aber sie betont es zweimal, sie mag die Beatles nicht nur, nein, sie liebt sie!

Musik ist in ihrem Leben sowieso sehr wichtig. Sie ist Sängerin der Jazz-Band "2extended", die manchen Dresdnern nicht unbekannt sein wird. Sie lernte die Band 2011 kennen. "Ich hatte davor noch keine Erfahrung in einer Jazz-Band", sagt sie. Eigentlich hat sie klassischen Gesang gelernt und in Chören gesungen. Aber durch einen Zufall ist sie ganz spontan zu "2extended" gestoßen. Mit der Band ist sie schon in Bannewitz, Pirna, Dippoldiswalde und auch in Dresden aufgetreten. Aber Rachel bleibt da ganz locker: "Wir sind alle Hobby-Musiker und möchten nicht berühmt werden. Es geht uns nur ums musizieren."

Eine lockere Atmosphäre will sie übrigens auch in ihren Englisch-Kursen haben. Wenn es sein muss, wird die 26-Jährige dann aber auch mal streng, schließlich sollen die Teilnehmer etwas lernen. "Erwachsene sind motivierter, die muss man nicht so oft disziplinieren", lächelt sie. Rachel arbeitet am liebsten mit Gruppenteilnehmern ab elf Jahren. "Je älter sie sind, desto mehr kann ich ihnen beibringen", erklärt sie. Eine "schöne Herausforderung" sind für sie übrigens Leute aus der früheren DDR, die nie Englisch gelernt haben. Sie kommen mit über 50 Jahren zu ihr. "Es ist ein Belohnungsgefühl, wenn man sieht, dass sie vorankommen", bestätigt sie.

Der Alltag als Sprachlehrerin sieht für sie nie gleich aus. Sie unterrichtet kleine und große Gruppen oder Einzelpersonen in der "Berlitz"-Schule vor Ort, geht aber auch mitunter in Firmen, um dort Geschäftsmännern und -frauen ihre Muttersprache näher zu bringen. "Abiturienten melden sich teilweise auch selber an", so Rachel. "In einem Intensivkurs lernen sie wirklich mal das Sprechen." Aber auch mit den Allerkleinsten übt sie Englisch, beispielsweise in Sprach-Camps.

Dass sie für eine Lehrerin noch ziemlich jung ist, stört die Teilnehmer nicht. Vielleicht hilft Rachel bei der Arbeit auch die Tatsache, dass ihre Eltern ebenso Lehrer sind. Gelernt ist eben gelernt. Aber das Wichtigste an jeder Sache ist die Leidenschaft. Und die hat Rachel, keine Frage.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.04.2013

Annette Thoma

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