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Der Dresdner Lutz Wagner hat drei Jahre in Mexiko-Stadt unterrichtet

Der Dresdner Lutz Wagner hat drei Jahre in Mexiko-Stadt unterrichtet

Lutz Wagner gibt Mathe und Physik am Gymnasium Dreikönigschule in der Neustadt. Von August 2008 bis Juli 2011 hat er an der Deutschen Schule Alexander von Humboldt in Mexiko-Stadt unterrichtet.

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Hat mexikanische Schüler auf Deutsch in Mathe und Physik unterrichtet: Lutz Wagner, Lehrer am Gymnasium Dreikönigschule in der Neustadt.

Quelle: Carola Fritzsche

Sie gehört zu den 140 deutschen Auslandsschulen weltweit und ist vor 120 Jahren von deutschen Einwanderern gegründet worden. Auch die mexikanische Außenministerin, Patricia Espinosa, ist dort zur Schule gegangen.

Frage : Wie sind Sie auf die Idee gekommen, nach Mexiko zu gehen?

Lutz Wagner : Das war am Ende reiner Zufall. Ich habe mich als Auslandslehrdienstkraft beim Bundesverwaltungsamt in Berlin beworben, sollte dann einige Gebiete angeben, die ich ausschließen möchte. Man kommt in eine Bewerber-Datei, auf die die 140 Auslandsschulen weltweit zugreifen können. Und so ist es am Ende Mexiko geworden.

Wo genau haben Sie unterrichtet?

Am Colegio Alemán im Norden von Mexiko-Stadt. Diese Privatschule besteht aus drei Schulteilen. An einem davon, dem Campus Lomas Verdes, habe ich Mathe und Physik in den Klassen 7 bis 12 auf Deutsch unterrichtet. 2500 Schüler besuchen das Colegio Alemán - übrigens schon vom Kindergartenalter an. Zwischen 10 und 15 Prozent von ihnen haben einen deutschen Pass, die anderen sind Mexikaner. Erst 2010 hat das Colegio Alemán den begehrten Titel "Exzellente Deutsche Auslandsschule" verliehen bekommen.

Was macht die Schule so besonders?

Die Schüler können das deutsche Abitur ablegen und den nationalen Bildungsabschluss machen. Mit dem deutschen Abi in der Tasche haben sie die Möglichkeit, in Europa zu studieren. Sie können auch in die USA gehen. Am Colegio Alemán gibt es außer deutschen Pädagogen auch Lehrer aus den USA und aus Mexiko selbst. Alle haben Ideen. Das macht die Sache spannend. Zum anderen ist die Schule sehr gut ausgestattet, verfügt u.a. über ein Schwimmbad nur für die Grundschüler. Das Schulgeld beträgt umgerechnet zwischen 500 bis 600 Euro pro Monat.

Wie ist das Schulsystem in Mexiko aufgebaut?

Die kostenfreie staatliche Bildung für alle Kinder bis Klasse 6 gibt es jetzt überall, also auch für die Indigenas, die Ureinwohner. Alles, was darüber hinaus geht, ist mit Kosten verbunden - teils mit geringem, teils mit höherem Schulgeld wie am Colegio Alemán. In Mexiko gibt es ein zentrales Bildungssystem. Beispielsweise hat die Regierung von heute auf morgen ein Rauchverbot in den Schulen durchgesetzt und verboten, stark zuckerhaltige Erfrischungsgetränke zu verkaufen.

Ist der Lehrer in der Bevölkerung angesehen?

Das richtet sich nach den Klassen, die er unterrichtet. Der Universitätslehrer, der dem Pädagogen in der Oberstufe gleichgesetzt ist, ist sehr angesehen. Darauf folgt der Lehrer in der Mittelstufe und dann der in der Unterstufe. Mit dem Verdienst sieht es nicht rosig aus. Ein mexikanischer Lehrer, der nicht an einer Privatschule unterrichtet, kann von seinem Gehalt allein nicht leben. Er verdient um die 2500 Pesos in 15 Tagen. Ein Euro entspricht etwa 17 Pesos. Das Geld wird in Mexiko zweimal im Monat ausgezahlt. Um ihre Familie ernähren zu können, geben die meisten Pädagogen Nachhilfeunterricht.

Trägt man Schuluniformen?

Ja, die Mädchen haben weiße Blusen, knielange dunkelblaue Röcke und weiße Strümpfe an, die Jungen weiße Hemden und dunkelblaue Hosen.

Wie unterscheiden sich mexikanische von deutschen Schülern?

Mexikanische Kinder sind immer fröhlich und temperamentvoll. Im Unterricht geht es niemals leise zu. Sollte der Lehrer laut werden, würden sie das nicht verstehen und ganz eingeschüchtert reagieren. Ihre Lehrer sprechen die Schüler übrigens mit "Professor" an.

Wie ist es um die Sicherheit der Schüler bestellt?

Die Kinder werden von ihren Eltern oder von Chauffeuren zur Schule gebracht und wieder abgeholt. Polizisten bewachen das Colegio Alemán. Die Entführung wohlhabender Kinder ist ein schwieriges Thema in Mexiko.

Wann beginnt denn der Unterricht an der Schule?

7.10 Uhr. Das hat seinen Grund. Würde die Schule später beginnen, stünden die Eltern drei Stunden im Stau. Außerdem ist es früh noch nicht so heiß.

Was haben Sie von Mexiko gesehen?

Mexiko ist ja ein riesiges Land. Allein Mexiko-Stadt hat 30 Millionen Einwohner. Ich habe mir Acapulco am Pazifik und frühere koloniale Städte wie Merida angeschaut, hab' die Gerüche, Farben und das Sprachgewirr der Ureinwohner mit ihren vielen verschiedenen Sprachen auf mich wirken lassen.

Zehn Dresdner Pädagogen unterrichten im Moment als Auslandslehrkräfte in Italien, Finnland, den USA, Russland und Spanien.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.02.2012

Gespräch: Katrin Richter

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