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Das Problem mit dem Taschenrechner - Dresdner Abiturient kritisiert Regelungen im Mathe-Abi

Das Problem mit dem Taschenrechner - Dresdner Abiturient kritisiert Regelungen im Mathe-Abi

Eigentlich könnte Ben Günther zufrieden sein. Am Donnerstag hat der 19-Jährige, der Wirtschaftsingenieurwesen studieren will, seine Abi-Noten erfahren. In Mathe hat er 14 Punkte.

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In seiner rechten Hand hält Ben Günther den besseren Taschenrechner mit dem CAS-Technik, in seiner linken den einfacheren, den er benutzen durfte.

Quelle: Carola Fritzsche

Das entspricht der Note 1. Und trotzdem: "Ich finde es ungerecht, dass nicht an allen Schulen der gleiche Taschenrechner verwendet werden darf", moniert der Abiturient, der das Sportschulzentrum im Ostragehege besucht hat.

Das Problem ist folgendes: In Sachsen sind zwei verschiedene Arten von Taschenrechnern zugelassen - einfache grafikfähige für etwa 80 Euro und richtig gute mit Computer-Algebra-System (CAS), die weit über 100 Euro kosten. Bezahlen müssen sie in jedem Falle die Eltern. Und jede Schule entscheidet selbst, welche Rechner die Schüler nutzen dürfen. Eben da liegt für Ben Günther der Hase im Pfeffer. "Anders als die Schüler am Marie-Curie-Gymnasium oder in Cotta durften wir nur den einfachen Taschenrechner verwenden", erklärt er. Früher habe es noch unterschiedliche Prüfungsaufgaben gegeben - einmal für die grafikfähigen Rechenhilfen und einmal für die CAS-Rechner. Heute aber bekämen die Abiturienten einheitliche Aufgaben.

"Im Unterricht hat der CAS-Rechner zwar pädagogisch-methodische Vorteile", räumt Katrin Reis, Sprecherin der Bildungsagentur, Regionalstelle Dresden, ein. Bei den Abi-Prüfungen hätten Schüler, die nur einen grafikfähigen Rechner verwenden dürfen, jedoch keine Nachteile. Das sieht Ben Günther ganz anders: Niemand könne ihm erzählen, dass man mit dem besseren Taschenrechner keinen Vorteil habe, sagt er. "Der CAS-Rechner ist nicht nur schneller, mit ihm kann man beispielsweise ein Ergebnis auch auf Richtigkeit kontrollieren", erklärt er.

"Das Mathe-Abitur ist von Jahr zu Jahr leichter geworden", meint hingegen Falk Barthel, Leiter des Pestalozzi-Gymnasiums. Mit der Einführung des neuen Lehrplans 2010 seien die Anforderungen zurückgeschraubt worden. Es sei jetzt letztlich egal, welchen Rechner man nehme. Eigentlich werde gar keiner mehr gebraucht. Barthel kennt sich aus, er hatte dieses Schuljahr selber einen Mathe-Leistungskurs. "Dass die Anforderungen gesunken sind, erkennt man auch daran, dass die Mathe-Noten in ganz Sachsen im Laufe der Jahre immer besser ausgefallen sind." Er selbst sei der Auffassung, dass das nicht daran liegen könne, dass die Schüler heute schlauer sind als vor fünf Jahren. Die Tatsache, dass die Prüfungsaufgaben leichter lösbar sind als noch vor fünf Jahren, hält der Schulleiter - vermutlich anders als die meisten seiner Schüler - für keine gute Entwicklung.

Gleichwohl pflichtet er Abiturient Ben Günther bei: "Wenn ich Kultusminister wäre, würde ich den CAS-Rechner gar nicht zulassen, um der Diskussion aus dem Weg zu gehen." Barthel hat noch eine ganz andere Idee: "Ich würde Teil A im Mathe-Abi, in dem die Schüler ohne Hilfsmittel auskommen müssen, wesentlich ausbauen." Denn schließlich gehöre an den Unis im Mathe- oder Ingenieurwissenschaftsstudium ein Rechner nicht wirklich zur Grundausstattung. "Ich kann Mathe studieren und habe die gesamten fünf Jahre keinen Rechner in der Hand gehabt", so Barthel.

Ein ähnliches Problem wie mit den Taschenrechnern hat Barthel mit den Tafelwerken. "Da kann auch nicht jeder Schüler die Formelsammlung benutzen, die ihm gefällt", weiß er. Duden sei Duden, aber Tafelwerk nicht gleich Tafelwerk. In dem einen stehe mehr drin als im anderen. "Auch hier müsste sachsenweit vorgeschrieben sein, welches die Schüler in der Prüfung benutzen dürfen und welches nicht", wünscht sich der Schulleiter.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.06.2014

Katrin Richter

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