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Das Dresdner Schloss: Repräsentieren in meisterlicher Raumkomposition

Das Dresdner Schloss: Repräsentieren in meisterlicher Raumkomposition

Seit 1485 bis zum Jahr der Abdankung 1918 war das Residenzschloss Ort politischer Repräsentation im albertinischen Sachsen. Heute dokumentiert es über 800 Jahre Baugeschichte, ist das Beispiel sächsischer Geschichte und Kultur und zugleich die opulente "Hülle" diverser Museen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Damit der Besucher auch die Residenzfunktion dieses Monuments nachvollziehen kann, sind die Paraderäume des 18. und 19. Jahrhunderts in der Festetage im zweiten Obergeschoss unverzichtbar. Ihre Wiederherstellung steht noch aus.

Im Auftrag des Sächsischen Immobilien- und Baumanagements (SIB) und durch den leitenden Restaurator Hans-Christoph Walther, dessen Name auch untrennbar mit der Neuerschaffung des Grünen Gewölbes verbunden ist, wurde bereits viel Vorarbeit geleistet. Es sind Probeachsen vorbereitet und Restaurierungsstrategien für die Originalbefunde und gut erhaltenen Ausstattungsstücke angeschoben. Für die Gestaltung des Nordflügels fanden Wettbewerbe statt.

Im Laufe der Geschichte definierten die herrschaftlichen Nutzer die Funktionen der Paraderäume entsprechend ihrer Ansprüche teilweise neu. So wurden die augusteischen Paradezimmer des 18. Jahrhunderts im Westflügel, mit Eckparadesaal und Turmzimmer im Nordflügel eingerichtet; die Paradesäle Mitte des 19. Jahrhunderts im Nordflügel mit Thronsaal (der vormalige Eckparadesaal), Großem Ballsaal und Turmzimmer sowie die Paradesäle des ausgehenden 19. Jahrhunderts im Nordflügel mit Thronsaal, Bankettsaal und Großem Ballsaal.

August der Starke ließ 1719, vor der Hochzeit seines Sohnes, die Festetage in absolutistischer Manier repräsentativ umgestalten. Höhepunkte der Rauminszenierung durch Matthäus Daniel Pöppelmann und Raymond Leplat waren das Audienzgemach und das Paradeschlafzimmer. Der Pracht- und Machtentfaltung des Hausherrn dienten auch das zum Porzellankabinett umgestaltete Turmzimmer und die Gemäldegalerie im Südflügel. Vor allem Audienzgemach und Schlafzimmer sollen als einmaliges Raumkunstwerk wieder erlebbar werden - dieses Ziel hat der Freistaat schon vor Jahren formuliert. Dem Schloss soll so sein barockes Zentrum zurückgegeben werden, hieß es in einer 2008 herausgegebenen Baudokumentation.

Unter König Friedrich August II. wurde der Propositionssaal zum neuen Thronsaal hergerichtet. Die konstitutionelle Monarchie auf Grundlage der 1. Sächsischen Verfassung hatte 1831 die absolutistische Herrschaft abgelöst. Ein genau durchdachtes Bildprogramm mit großen Historienbildern verwies nun auf die Verantwortung von König und Ständen. Der Große Ballsaal war dagegen ganz den Musen und Künsten gewidmet. Wieder gelang es den Ausführenden - Hofbaumeister Otto von Wolframsdorf und Prof. Eduard Bendemann - Gesamtkunstwerke zu schaffen. Nach dem Tod von Friedrich August II. folgte dessen Bruder auf dem Thron. König Johann erwählte sich erneut den Eckparadesaal zum Thronsaal. Im Georgenbau ließ er den Kleinen Ballsaal errichten.

Den letzten großen Schlossumbau vor der Zerstörung 1945 veranlasste König Albert, der seit 1873 herrschte. Er beließ den Thronsaal an der Ecke des Nordflügels, im Eckparadesaal, auch die augusteischen Paradezimmer blieben unangetastet. Für das 800-jährige Wettiner-Jubiläum 1889 beauftragte er die Architekten Gustav Dunger und Gustav Frölich mit der Umgestaltung. In dieser Phase wurden der Südflügel ausgebaut und die Fassaden einheitlich im Stil der Neorenaissance gestaltet, wie sie seit 2006 wieder zu sehen sind. Auch im Inneren griffen Dunger und Frölich bei ihrer Überformung auf die prägenden Zeiten der Renaissance und des Barock zurück. Der Propositionssaal - unter Friedrich August II. Thronsaal - wurde nun zum Bankettsaal mit einer reich kassettierten Decke. Auch der Große Ballsaal erhielt durch ein hohes Deckengewölbe enorme Aufwertung.

Die Residenz der Wettiner zeigte in ihren Blütezeiten Qualität und künstlerische Meisterschaft von europäischem Rang. So ist es selbstverständlich, dass durch das SIB noch vorhandene Originalsubstanz sorgsam gesichert und in das Bauprojekt einbezogen wird. Nun sind auch Riesensaal und Schlosskapelle in ihrer historischen Kubatur wieder hergestellt, wie es schon 1962 in den denkmalpflegerischen Eckpunkten formuliert war. Ein späterer Ausbau der Räume bleibt möglich. Was jetzt noch fehlt, sind die Vollendung der Renaissancefassung des Großen Schlosshofes mit den Sgraffiti und vor allem die repräsentativen Paradesäle des sächsischen Residenzschlosses.

(Basierend auf dem Vortrag von Rosemarie Pohlack "Die Repräsentationsräume des 18. und 19. Jh. in der Festetage - Denkmalpflege-Rahmenzielstellung des LfD")

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.10.2013

Bleier, Genia

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