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DNN-Umfrage: An Dresdens Schulen wird kaum noch "rischtsches Sächssch" gesprochen

DNN-Umfrage: An Dresdens Schulen wird kaum noch "rischtsches Sächssch" gesprochen

Wenn Kinder im Unterricht "weeßschni" sagen, wenn sie eine Antwort nicht wissen, oder "fertsch" sind mit der Klausur statt fertig, dann klingt das schon ein bisschen gewöhnungsbedürftig.

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Na, können Sie wie Lisa aus der 3a der 30. Grundschule diese Wörter ins Hochdeutsche "übersetzen"? Der "Färschdor" ist der Förster. Und "hammorni" heißt...

Quelle: Dietrich Flechtner

Oder "gemeene", um im Dialekt zu bleiben. Fragt sich, ob Schüler überhaupt noch gepflegtes Sächsisch sprechen im Unterricht oder ob der Dialekt von zugezogenen Lehrern und Schülern nicht mehr und mehr verdrängt wird aus den Klassenzimmern. Hinzu kommt, dass die Sachsen wegen ihres Dialekts in den Medien gern mal durch den Kakao gezogen werden. DNN hörten sich an einigen Dresdner Schulen um.

Nach Beobachtung von Klaus-Dieter Pursche, Leiter des Dreikönigsgymnasiums in der Neustadt, sprechen die Gymnasiasten an seiner Schule deutlich seltener Sächsisch als noch vor 10 oder 15 Jahren. Das habe auch damit zu tun, dass die gefühlte Hälfte der Lehrer an der Schule nicht aus Sachsen stammt. "Vielleicht fällt mir aber auch nur nicht so auf, dass einer Sächsisch spricht, weil ich selber sächsele", überlegt er. Auf jeden Fall bemühe er sich, im Unterricht "ordentlich" zu reden. Frank Haubitz, Leiter des Gymnasiums Klotzsche, lässt sich auch gern mal von seinen Schülern berichtigen, wenn sie wissen, wie's "rischtsch" heißt. "Ich kann mir nicht abgewöhnen, vom ,Einzichsten' zu sprechen, obwohl es doch nur den ,Einzigen' gibt", nennt Haubitz schmunzelnd einen seiner typischen Fehler.

"Wir achten schon darauf, dass die Kinder im Unterricht hochdeutsch sprechen", berichtet Thomas Lorenz, Leiter der 128. Mittelschule in Reick. Seiner Ansicht nach macht es keinen guten Eindruck, wenn bei einem Bewerbungsgespräch nachgefragt werden muss, weil sich der künftige Azubi nicht verständlich ausdrücken konnte und "nee" statt nein oder "ooch" statt auch in sich hinein gemurmelt hat.

Matthias Gläsel, Leiter der 30. Grundschule im Hechtviertel, veranstaltet dann und wann mit seinen Kindern einen kleinen Sächsisch-Test. Er schreibt dann "Schmürschelbabier" für Schmirgelpapier oder "Gombjudorexberde" für Computerexperte an die Tafel und hat dann jedes Mal die Lacher auf seiner Seite

"Wir sind multikulturell", betont Jens Cencarka-Lisec, Leiter der Freien Alternativschule an der Stauffenbergallee. Die breite Masse würde "einen guten Slang latschen". Es gebe aber auch Kinder, die sich in sauberem Hochdeutsch artikulierten. "Bei uns spricht letzten Endes jeder, wie er will", meint er. Cencarka-Lisec selbst stammt aus Sachsen-Anhalt. Sächsisch spricht er nicht aus eigenem Antrieb. "Der Dialekt liegt mir doch ziemlich fern", gibt er zu. Nachahmen könne er ihn aber ganz gut. "Das heißt aber nicht, dass ich Sächsisch ablehne. Im Gegenteil, ich freue mich über die verschiedenen Dialekte, die ich an unserer Schule so zu hören bekomme", betont er.

Auch Evelyn Koch, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Germanistik der TU Dresden, hat beobachtet, dass Jugendliche in ihren Lehrveranstaltungen wenig sächseln. "Sie versuchen - wahrscheinlich unter dem Einfluss der Medien - möglichst standarddeutsch zu sprechen. Was den Unterricht betreffe, seien "gelegentliche dialektale Äußerungen kein Problem". Zwar würden die Pädagogen laut Lehrplan angehalten, hochdeutsch zu sprechen. "Das heißt ja aber nicht, dass Schüler nicht auch ab und zu mal stärker regional sprechen dürfen, wenn sie beispielsweise ein Erlebnis schildern."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.04.2013

Katrin Richter

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