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DNN-Gespräch mit zwei Dresdner Lehramtsanwärterinnen / 2017 wird das Referendariat verlängert

DNN-Gespräch mit zwei Dresdner Lehramtsanwärterinnen / 2017 wird das Referendariat verlängert

Elisabeth Beuchel (26) und Maria Tunc (38) sind Referendarinnen an der 30. Grundschule im Hechtviertel. 16 Lehrer hat die Schule in den vergangenen zehn Jahren ausgebildet.

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Elisabeth Beuchel und Maria Tunc (v.l.) sind beide Referendarinnen in der 30. Grundschule im Hechtviertel. Beuchel hatte allerdings zwei Jahre im Referendariat, Tunc nur eines.

Quelle: Carola Fritzsche

Der Altersdurchschnitt des Kollegiums beträgt 36 Jahre. Beuchel hatte zwei Jahre Zeit, sich auf den Lehrerberuf vorzubereiten, Tunc nur ein Jahr. Nach längeren Diskussionen mit den Gewerkschaften soll das reduzierte Referendariat ab Februar 2017 nun wieder auf anderthalb Jahre verlängert werden. DNN fragten die beiden Referendarinnen, was sie davon halten und wie es ihnen an der "30." gefällt.

Frage: Wie sind Sie zum Lehramtsstudium gekommen?

Maria Tunc: Über einige Umwege. Vor dem Lehramtsstudium habe ich erst viele Jahre im Einzelhandel und später dann in einer Frauenberatungsstelle gearbeitet. Dann habe ich mir gedacht: Du brauchst noch mal eine neue Aufgabe im Leben. Die Arbeit mit Kindern hat mir immer sehr viel Spaß gemacht. Ich habe selbst drei. Da war ein Studium im Grundschulbereich naheliegend. In diesem Beruf legt man den Grundstein fürs Leben und kann sehen, wie sich die Kinder täglich entwickeln und über sich hinaus wachsen. Letzten September bin ich mit dem Studium fertig geworden. In Dresden lebe ich seit drei Jahren.

Woher kommen Sie?

Elisabeth Beuchel: Aus Thüringen. Lehramt habe ich in Erfurt studiert. Vor zwei Jahren habe ich an der "30." mit dem Referendariat angefangen.

Wie kommen Sie zurecht an der Schule?

Elisabeth Beuchel: Ich fühl' mich ausgesprochen wohl hier. Das liegt vor allem daran, dass mich das Kollegium herzlich aufgenommen hat. Ich bin ja komplett fremd gewesen in Dresden.

Maria Tunc: Ich habe schon in ganz vielen Schulen Praktika gemacht. Aber ich habe selten eine Schule kennengelernt, in der die Lehrer so gut Hand in Hand arbeiten. Ich kann zu jedem Lehrer gehen, wenn ich eine Frage habe.

Hat das vielleicht damit zu tun, dass es an der "30." - verglichen mit den meisten Dresdner Schulen - viele junge Pädagogen gibt?

Maria Tunc: Ich meine, das ist keine Frage des Alters, sondern der Einstellung. Ich habe bei meinen Praktika auch viele ältere engagierte Kolleginnen erlebt.

Elisabeth Beuchel: Vielleicht hängt das aber doch auch damit zusammen, dass wir hier jedes Jahr mehrere Referendare haben, die immer wieder frischen Wind hereinbringen.

Maria Tunc: Das funktioniert aber nur, weil es an unserer Schule diese Willkommenskultur gibt. Ich glaube, das Kollegium wirkt sehr jung, weil Neues zugelassen wird. Mehr als schiefgehen kann es ja nicht. Wir sagen immer: Wann, wenn nicht jetzt?

Was meinen Sie: Reicht ein Jahr Referendariat aus?

Maria Tunc: Nicht wirklich. Das zweijährige Referendariat bietet die Chance, die Lehrer und auch die Kinder im Unterricht viel intensiver zu beobachten. Man kann sich unglaublich viel abgucken. Ich hatte ja das Glück, die Schule schon ab September im Rahmen des Programms Unterrichtsversorgung kennenzulernen, bevor es im Februar mit dem Referendariat geklappt hat. Ich glaube, sonst wäre ich sicher überfordert gewesen. Ich hätte Stunden halten müssen, ohne Unterrichtspraxis zu haben und ohne die Kinder und die Lehrer zu kennen. Ich weiß von Referendaren, die im Februar angefangen haben und jetzt erst richtig ankommen in ihrer Schule. Wenn das Referendariat künftig auf anderthalb Jahre erhöht wird, kann das nur gut sein.

Wieviele Stunden müssen Sie denn so halten pro Woche?

Maria Tunc: Zwölf. Und zwei bis drei Stunden pro Woche hospitiere ich bei meinen Mentoren und hole mir Anregungen für den Unterricht.

Welche Fächer geben Sie in welchen Klassen?

Maria Tunc: Deutsch, Mathe, Sachunterricht und Kunst in allen Klassenstufen.

Wie lange dauert es, eine Unterrichtsstunde vorzubereiten?

Elisabeth Beuchel: Das kommt auf die Stunde an. Geht es um eine Einführungsstunde, will ich die Kinder zum Beispiel ins Mal-Rechnen einführen, sitzt man schon mal zehn Stunden dran. Ich muss mir ja jeden Schritt genau überlegen. Was für uns Erwachsene klar ist, muss für die Kinder noch lange nicht logisch sein. Es gibt aber auch Stunden, die sind in 30 Minuten vorbereitet.

Elisabeth Beuchel: Das Hechtviertel ist sozial sehr durchmischt. In der 1. Klasse gibt es Kinder, die können schon lesen, wenn sie in die Schule kommen, andere sind noch lange nicht so weit. Sich in so einen Erstklässler hineinzudenken, ist gar nicht so einfach. Da geht für die Vorbereitung ganz viel Zeit drauf.

Maria Tunc: Hinzu kommt der Theorietag. Jeden Mittwoch haben wir Seminare. Am Ende des Referendariats müssen wir Lehrproben ablegen in Deutsch und in Mathe. Und außerdem gibt es noch mündliche Prüfungen in den Fachdidaktiken.

Was ist Ihnen wichtig im Umgang mit den Kindern?

Maria Tunc: Ein angstfreier Unterricht. Die Kinder sollen wissen, dass sie immer zu mir kommen können. Auf der anderen Seite müssen sie sich aber auch an die Regeln halten.

Elisabeth Beuchel: Wichtig ist auch, authentisch zu sein. Die Kinder müssen wissen, dass nicht nur heute an dieser Stelle die Grenze ist, sondern immer. Es gibt so eine Waagschale zwischen Strenge und Güte.

Dürfen die Kinder Sie duzen wie im Kindergarten?

Elisabeth Beuchel: Anfangs ja - viele sagen du und den Familiennamen. Das ändert sich, je älter die Kinder werden.

Der Alptraum des Lehrers ist ja, vor einer randalierenden Klasse zu stehen und nix machen zu können. Ist Ihnen das schon so ergangen? Was tun Sie in einem solchen Moment?

Elisabeth Beuchel: Dass die Kinder im Unterricht über Tische und Bänke gesprungen sind, habe ich noch nicht erlebt. Man entwickelt ja auch ein Gespür für Situationen. Ich würde vielleicht versuchen anders zu reagieren, als die Kinder das erwarten - zum Beispiel leiser zu reden, statt immer lauter zu werden. Jede Klasse reagiert ja auch anders.

Wollen Sie an der 30. Grundschule bleiben?

Elisabeth Beuchel: Gern, und bei mir klappt es hoffentlich auch. Ich bin ja im Sommer fertig.

Maria Tunc: Mein Referendariat ist erst im Februar zu Ende. Ob ich hier anfangen kann, weiß ich deshalb noch nicht.

Gespräch: Katrin Richter

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.06.2015

Katrin Richter

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