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Bildungsbericht: Schlechte Karten für arme Kinder

Bildungsbericht: Schlechte Karten für arme Kinder

Wohnort, Geschlecht, Herkunft: Diese drei Komponenten beeinflussen in Dresden den Bildungsgrad von Kindern und jungen Erwachsenen am meisten. "Der Bildungserfolg ist abhängig vom sozialen Status des Elternhauses, unabhängig vom Potenzial des Kindes", postuliert der 2. Dresdner Bildungsbericht, der jetzt vorliegt.

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Die Jungen haben einen höheren Anteil an den Kindern, die noch ein zusätzliches Jahr im Kindergarten verbringen müssen, ehe sie eingeschult werden. 2012/2013 lag der Anteil der Mädchen an den "Rückstellern" bei 4,7 Prozent, die Quote der Jungen betrug 6,9 Prozent.

"Jungen und Männer sind weiterhin 'Bildungsnachzügler', insbesondere in den formalen Lernwelten der Allgemeinbildenden Schule", heißt es in dem 436 Seiten starken Dokument weiter. Und: "Bemerkenswert ist der starke Anstieg des Anteils an Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund an der Sprachheilschule."

Bildungsgerechtigkeit für alle Dresdner und Integration aller - das seien die bildungspolitischen Herausforderungen, vor denen die Stadt stehe, erklärte Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU). Der Bildungsbericht sei ein wichtiges Instrument für eine gezielte politische Steuerung. "Genaue Betrachtungen innerhalb der Ortsämter ermöglichen es uns jetzt, die Einrichtungen zu unterstützen, die Förderung benötigen."

Der Vergleich mit dem 1. Dresdner Bildungsbericht von 2012 weise zweifelsfrei Fortschritte auf, erklärte Sozialbürgermeister Martin Seidel (parteilos). "Wir sehen aber Handlungsbedarf. Vor allem die Befunde zu den in den Stadtteilen teils sehr unterschiedlichen Bildungschancen und die geschlechter- und herkunftsbedingten Ungleichheiten müssen wir aufmerksam verfolgen." Seidel forderte, dass die mit Bildung befassten Partner stärker und gezielter zusammenarbeiten müssten, um nicht von vornherein Kinder und Jugendliche im Bildungssystem zu "verlieren".

Antje Jahn, Nicole Schimkowiak und Holger Kehler vom Bildungsbüro haben für den 2. Dresdner Bildungsbericht eine Vielzahl von Daten und Fakten ausgewertet. Dabei stellen sie einen Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und Bildung her: Dank hoher Beschäftigungsquoten haben sich viele Stadtgebiete wie Pieschen oder Friedrichstadt positiv entwickelt und können nicht mehr als soziale Brennpunkte gelten. Diese positive Entwicklung wirke sich auf das Bildungsniveau der Einwohner aus. Die Zahl der Dresdner ohne einen beruflichen Abschluss oder Hochschulabschluss sinke, die Akademikerquote steige.

Der Bildungsbericht untersucht die einzelnen Bildungseinrichtungen von der Krippe bis zur Hochschule. Die Forscher kommen dabei immer wieder zu dem Ergebnis: Wer in sozialen Problemgebieten aufwächst, hat einen signifikant schlechteren Bildungsgrad. Das beginnt im Kindergarten mit sprachlichen und motorischen Problemen und endet an der Hochschule, die weniger junge Erwachsene aus Problemgebieten besuchen. So haben 47 Prozent der Kinder in Problemgebieten Sprachauffälligkeiten, aber nur 21 Prozent in Gebieten ohne soziale Brennpunkte. Kinder aus Gorbitz oder Prohlis erhalten nur zu 38,9 Prozent die Bildungsempfehlung Gymnasium, in anderen Stadtteilen liegt diese Quote bei 69,9 Prozent und damit doppelt so hoch.

Jungen haben es schwerer als Mädchen, im Bildungssystem ihren Weg zu gehen, konstatiert der Bildungsbericht. So sind 63 Prozent der Förderschüler männlich und 70 Prozent der Schüler an Schulen zur Erziehungshilfe und der Sprachheilschule. Jungen bleiben häufiger als Mädchen sitzen, 60 Prozent der Schulabgänger ohne Abschluss sind männlich.

Bei den Migranten ist die Situation laut Bildungsbericht zwiespältig: Einerseits besitzen Personen mit Migrationshintergrund mit 50 Prozent häufiger einen Hochschulabschluss als gebürtige Dresdner (42 Prozent), andererseits haben zehn Prozent der Migranten keine abgeschlossene Berufsausbildung - aber nur vier Prozent der Einwohner ohne Migrationshintergrund.

Mit zahlreichen Projekten will die Stadt laut Orosz Ungleichheiten bei der Bildung abbauen. So widmet sich das Projekt "Lesestark! Dresden blättert die Welt auf" der Sprach- und Leseförderung von fünf- bis achtjährigen Kindern. Dresden engagiere sich für Bildungspatenschaften für Kinder mit Migrationshintergrund, die Stadt habe einen Bildungsbeirat gegründet, um sich verstärkt mit den Themen auseinandersetzen zu können.

Der Bildungsbericht sieht die zentrale Herausforderung der nächsten Jahre darin, die staatlichen Regelschulen so auszugestalten, dass hier Kinder mit erhöhtem Förderbedarf betreut werden können. "Ziel muss es sein, den Anteil an Schulabgängern ohne Hauptschulabschluss auf maximal fünf Prozent zu reduzieren", heißt es. Im vergangenen Jahr war die Quote auf neun Prozent gestiegen.

Download unter: http://bildung.dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.10.2014

Thomas Baumann-Hartwig

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