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"Bei uns geht's erst 8.30 Uhr los" - Das neue Gymnasiums Süd-West in Dresden-Gorbitz

"Bei uns geht's erst 8.30 Uhr los" - Das neue Gymnasiums Süd-West in Dresden-Gorbitz

Seit September leitet Sandra Gockel das neu gegründete Gymnasium Süd-West mit 75 Fünftklässlern. Die Gymnasiasten werden sich in den kommenden vier Jahren eine Gorbitzer Plattenbauschule mit den Azubis der kommunalen Handelsschule teilen, bevor sie ins sanierte und neu errichtete Schulgebäude an die Bernhardstraße in die Südvorstadt ziehen.

Sie leiten eine Schule mit Fünftklässlern. Woher kommen die Kinder?

80 Prozent Kinder hatten sich an anderen Gymnasien beworben und sind umgelenkt worden. Sie kommen also aus dem gesamten Stadtgebiet. 112 Schüler hätten wir aufnehmen können. Angemeldet hatten sich nur 12. Das war nicht überraschend. Unsere Schule ist eine Neugründung und befindet sich vorübergehend in einem alten Plattenbaugebäude. Wir sind jetzt in der glücklichen Situation, dass wir 75 Schüler in vier Klassen haben. Es sind ein paar Jungs mehr als Mädchen. Zehn Prozent der Schüler haben ausländische Wurzeln.

Ist es nicht problematisch, wenn die Kinder aus der ganzen Stadt kommen?

Die Schüler finden das nicht schlimm. Das hat eine kleine Umfrage ergeben. Die Kinder machen in der Straßenbahn Hausaufgaben oder bereiten sich auf den Unterricht vor. Andere freuen sich, dass die Eltern plötzlich erlauben, dass sie zu Freunden am anderen Ende der Stadt fahren dürfen. Bei den Gymnasien in freier Trägerschaft, deren Schüler auch aus einem großen Einzugsgebiet kommen, sind längere Wege gar kein Thema. Am Ende entscheidet nicht der Weg oder der Ort, sondern wie Schule konkret gelebt wird.

Wieviele Lehrer sind Sie?

Elf Stammkollegen. Wir sind ein vergleichsweise junges Kollegium und bestanden ursprünglich nur aus Frauen. Dann brauchten wir aber noch Musik- und Sportlehrer. Das sind Männer geworden. Darüber bin ich sehr dankbar. Ich denke, dass gerade Jungs auch Männer als Lehrer und Partner brauchen.

Wie ist es um die Disziplin bestellt?

Wir haben ein sehr schönes Klima. Das liegt daran, dass wir auf jedes Kind eingehen und auch auf kleinste Dinge reagieren können. Wenn ich auf dem Gang ein Kind entdecke, das traurig schaut, dann spreche ich es an. Wenn wir erst einmal auf 800 Schüler hochgewachsen sind, wird uns ein einzelner Schüler nicht mehr so auffallen. Umso wichtiger ist mir, dass wir von Anfang an eine Kultur der Aufmerksamkeit und des achtsamen Umganges miteinander pflegen.

Wie bringen Sie Familie und Beruf unter einen Hut?

Es braucht Organisationstalent, eine gewisse Gelassenheit und Stressresistenz. Wir sind als Familie logistisch gut aufgestellt. Ein Workaholic bin ich nicht. Als Schulleiterin versuche ich aber, familienfreundlich zu handeln und entsprechend unseren Schulablauf zu planen. Beispielsweise beginnt der Unterricht bei uns nicht schon 7.30 Uhr.

Wann geht's denn los?

Eine Stunde später, also 8.30 Uhr. Das Schulgesetz räumt diese Möglichkeit ein. Wir nutzen aber auch die Zeit davor zum Beispiel für Dienstberatungen oder um Klassenarbeiten nachzuschreiben. 15.30 Uhr ist Unterrichtsschluss.

Das Gymnasium Süd-West dürfte die Schule mit dem spätesten Unterrichtsbeginn sein, oder?

Meines Wissens - ja. Das lohnt sich aber und es hat etwas mit den zum Teil weiten Wegen in Dresden zu tun. Die Kinder sind ausgeschlafener, haben bessere Leistungen. Und ich denke, dass die Stunde nicht nur Eltern und Kindern hilft. Zum einen werden wir künftig ältere Kollegen haben, die früh schon die erste Schicht zur Pflege ihrer Eltern absolvieren müssen. Ich weiß persönlich, was das bedeutet. Zum anderen ist der frühe Beginn eher eine Gewohnheit und berücksichtigt nicht die für viele Eltern geänderte Arbeitswelt.

In DDR-Plattenbauschulen gibt es keine Aula. Verzichten Sie auf Feierlichkeiten?

Natürlich nicht. Wir haben besonders große Gänge und die bieten viel Raum für Ideen. Wir haben von der Stadtverwaltung 120 schicke neue Stühle bekommen. Überhaupt sind wir gut ausgestattet worden - beispielsweise mit neuen DVD-Playern und Fernsehern, Klavier und zwei Elektropianos. Interaktive Tafeln gibt es freilich nicht. Aber manchmal kommen die Schüler mit einem mit Kreide entwickelten Tafelbild besser zurecht. Es ist an uns, die Bühne so zu bespielen, dass alle Freude am Spiel haben und nicht nur am Theatergebäude.

Was für Ganztagsangebote gibt es denn?

Eine ganze Reihe. Wir haben einen Chor, eine Band, bieten Rudern, Schwimmen, einen Filzkurs, Theater, Musical und Italienisch an. Zweite Fremdsprachen sind ja Spanisch und Französisch.

In welchem Zustand haben Sie die Schule vorgefunden?

Die zweite Etage ist komplett gemalert worden. Im kommenden Schuljahr wollen wir die erste Etage vorrichten. Die Fenster sind alt und wecken die Erinnerung an die Bauzeit dieser Schule. Wer sie von außen sieht, wird zunächst skeptisch sein. Das Gebäude stand ja jetzt nicht leer. Vor uns war zwei Jahre lang das Marie-Curie-Gymnasium drin.

Wie geht es weiter?

Wir werden 2018/19 an die Bernhardstraße hinterm Hauptbahnhof ziehen und dann schon auf 450 Schüler angewachsen sein. Das Gebäude des ehemaligen Fritz-Löffler-Gymnasiums wird ja für 28 Millionen Euro saniert. An der Stelle der alten Sporthalle, die abgerissen werden soll, entsteht zusätzlich ein moderner Neubau. Die 46. Oberschule wird auch weggerissen. Dort kommt eine Vierfeld-Sporthalle hin. Am Ende werden wir über 1000 Schüler mit sechs Parallelklassen sein.

Kommen Sie dazu, sich einmal eine Auszeit zu nehmen?

Ich wohne ja in Heidenau. Wenn ich nach Hause komme, hole ich meine beiden kleineren Töchter aus dem Kindergarten ab. Das ist für mich Entspannung. Wir haben das Glück, dass die Großeltern mit in unserem Haus wohnen. Eine große Familie ist ein guter Ausgleich und eine Quelle für Gelassenheit.

Am 28. November, 11 Uhr, präsentiert sich das neu gegründete Gymnasium Süd-West im Club Passage, Leutewitzer Ring 5.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.11.2014

Katrin Richter

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