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49. Grundschule Dresden steht jetzt unter Denkmalschutz – Eltern und Schulleiter sorgen sich um Sanierung

49. Grundschule Dresden steht jetzt unter Denkmalschutz – Eltern und Schulleiter sorgen sich um Sanierung

Wer in Dresden die Schulbank drückt oder gedrückt hat, kommt an ihr nicht vorbei: der Neubauschule vom Typ „Dresden Atrium“. Aus der Luft betrachtet sieht sie aus wie ein H mit drei Querbalken.

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Die 49. Grundschule an der Bernhardstraße steht seit Kurzem unter Denkmalschutz.

Quelle: Tanja Tröger

Weil bei diesem Typenbau erstmals die industrielle Bauweise mit vorgefertigten Betonteilen für soziale Einrichtungen verwendet wurde, weil der Entwurf für moderne, experimentelle Schularchitektur steht und weil er mit insgesamt 55 Exemplaren das Dresdner Stadtbild bis heute prägt, wurde nun die 49. Grundschule „Bernhard August von Lindenau“ unter Denkmalschutz gestellt.

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Bodentiefe Fenster im Erdgeschoss lassen viel Licht ins Schulhaus.

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Die im März 1968 eingeweihte Schule an der Bernhardstraße ist die einzige fast original erhaltene vom Bautyp „Dresden Atrium“, erklärt Daniel Fischer, der sich intensiv mit der Architekturgeschichte befasst hat. Ein reichliches Jahr lang hat der 36-Jährige in Archiven Akten gewälzt, Baupläne studiert, Unterschriften entziffert, Zeitzeugen ausfindig gemacht und befragt, Schulen besichtigt und so Puzzleteil um Puzzleteil zusammengefügt. Drei Aktenordner Material und viele digitale Dateien hat er gesammelt. „Dieses Herausfinden und Entdecken reizt mich“, so der Maschinenbaukonstrukteur. „Mich interessieren die Geschichten hinter den Bauwerken, die Zeitzeugen. Die Architekten und Techniker waren damals junge Leute von 28, 30 Jahren, die riesige Projekte gestemmt haben. Die haben in dieser Zeit unter diesen Umständen Beachtliches geleistet“, ist Fischer überzeugt.

Hochmoderne Architektur: Licht und Luft für die Schüler

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Bodentiefe Fenster im Erdgeschoss lassen viel Licht in die Flure.

Quelle: Daniel Fischer

Was heute als langweilige Plattenbauschule angesehen wird, war Anfang der 1960er Jahre hochmodern: „Transparenz und Großzügigkeit“ lautete das Motto der Architekten, angeregt vom Gedanken der Reformpädagogik. Viel Licht sollte in die Klassenräume und Gänge fallen, die Kinder sollten Bewegungsfreiheit haben und sich zwischen den Unterrichtsstunden an der frischen Luft erholen können. Alle Klassenzimmer sind hell und freundlich, weil auf beiden Seiten Fenster eingesetzt sind. Die drei Querriegel bildeten zwei Innenhöfe (Atrien), die zum Freiluftunterricht und auch zum Mittagsschlaf genutzt werden sollten. Bodentiefe Fenster erhellen das Erdgeschoss und geben den Blick in die begrünten Atrien frei.

Die Gestaltung des Schultyps „Dresden Atrium“ basiert auf einem Projekt des Architekturprofessors Helmut Trauzettel, der an der TU Dresden lehrte und Experte für moderne Kindertagesstätten und Schulen war. Trauzettel hatte einen großen und lichten Schulkomplex entworfen, der im Bezirk Halle mehrfach gebaut wurde, aber den Verantwortlichen in Dresden zu teuer war. Eine abgespeckte Version sollte her, zu der Walther Polzer die ersten Skizzen lieferte. Die Architektin Sibylle Kriesche vom VEB Hochbauprojektierung Dresden schließlich setzte diese Ideen um und entwickelte zwischen 1961 und 1963 das innovative Schulgebäude. Das Gebäude kam so gut an, dass auch andere DDR-Bezirke es leicht verändert nachbauten.

55 Neubau-Schulen prägen Dresden

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In der 49. Grundschule findet man noch die ursprünglichen Schmuck-Treppengeländer aus Buchenholz und Aluminium, allerdings mittlerweile komplett mit Farbe überstrichen.

Quelle: Daniel Fischer

Ab 1963 wurden die Schulen vom Typ „Dresden Atrium“ gebaut. Obwohl ursprünglich nur ein Dutzend geplant waren, entstanden insgesamt 122 bis 1981 im Bezirk Dresden, allein 55 im Stadtgebiet Dresdens. Allerdings wurden nur sieben Schulen nach den ursprünglichen Plänen errichtet, die übrigen, um Geld zu sparen, in einer stark vereinfachten Version. Die Verbindungsgänge wurden gekürzt, Deckenputz, Windfang, Jalousien und auch das Schmuckgeländer fielen weg. Die geringe Bauqualität und die hohe Anzahl der späten „Dresden-Schulen“ brachten dem Typenbau seinen zweifelhaften Ruf ein, meint Fischer. „Nicht die Architektur war schlecht, sondern die massenhafte Anwendung.“

Die einstige 49. Polytechnische Oberschule „Juri Gagarin“ war Nummer 7, gehört also zu den „Originalen“. Und sie ist im Gegensatz zu ihren baugleichen Kollegen noch unsaniert. Die Schulen am Terrassenufer, an der Josephinen- und Dürerstraße sowie in Ottendorf-Okrilla und Riesa-Weida sind entweder saniert, umgebaut oder abgerissen. Deshalb „war es die richtige Entscheidung, dass die Schule an der Bernhardstraße noch unter Schutz gestellt wurde“, so Hobbyhistoriker Fischer. Er hat für die Landesdenkmalbehörde eine 40-seitige Dokumentation erstellt, in der er die Entstehungshintergründe und die bauhistorische Bedeutung der 49. Grundschule erläutert. „So aktive Menschen wie Daniel Fischer gibt es selten“, lobt Luise Helas, die beim städtischen Denkmalamt für das Ortsamt Plauen zuständig ist und die Unterschutzstellung der Schule angeregt hat.

Denkmalstatus: Fluch oder Segen?

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Nur einige Fenster in den Klassenzimmern dürfen noch geöffnet werden - schlechte Luft im Raum ist vorprogrammiert.

Quelle: Daniel Fischer

Wie sich allerdings der neue Status der Schule auf deren Zukunft auswirkt, ist bislang unklar. Fest steht, dass das 45 Jahre alte Gebäude eine grundlegende Sanierung bitter nötig hat. Seit Jahren engagieren sich Eltern dafür, dass undichte, zugige Fenster, stinkende Sanitäranlagen, kaputte Fußbodenbeläge und Uralt-Elektrik in den Klassenräumen runderneuert werden und das Haus energetisch saniert wird. Die „Baugruppe“ um Heike Schwerdel-Schmidt und Hubert Scherrer-Paulus bemängelt zudem, dass die Zimmer mit 50 Quadratmetern für 28 Kinder zu klein und die Raumluft daher sehr schlecht sei. Laut Auskunft des Schulleiters Uwe Schmidt ist etwa die Hälfte aller Fenster aus Sicherheitsgründen verschraubt, kann also nicht geöffnet werden. Damit ist die klug gedachte Architekten-Idee der beidseitigen Belüftung hinfällig.

Die Nachricht von der Unter-Schutz-Stellung der Schule haben die Eltern „mit großen Fragezeichen in den Augen“ aufgenommen, sagt Schwerdel-Schmidt. „Wir versuchen, das positiv zu sehen.“ Die studierte Kunsthistorikerin erkennt in dem neuen Status auch eine Aufwertung der Schule, die sich identitätsstiftend auswirken könne. Vielleicht gäbe es für die Sanierung auch Denkmalfördergelder, hofft sie. In jedem Falle wünscht sie sich, dass das frischgebackene Kulturdenkmal nun auch auf der Prioritätenliste des Schulverwaltungsamtes (SVA) nach oben rutscht.

Auch Schulleiter Uwe Schmidt weiß noch nicht, ob der Denkmalstatus ein Vorteil für die Schule ist, und hofft auf eine positive Wirkung. In wenigen Tagen haben sich Vertreter der unteren und oberen Denkmalbehörde zu einer Besichtigung angekündigt, um eine „denkmalpflegerische Zielstellung für die Sanierung“ erarbeiten zu können.

ttr

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