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3000 Dresdner Lehrer streikten vorm Landtag - In zwei Drittel der Bildungseinrichtungen fiel Unterricht aus

3000 Dresdner Lehrer streikten vorm Landtag - In zwei Drittel der Bildungseinrichtungen fiel Unterricht aus

Kein Laut schallte über den Pausenhof. In der Sportmittelschule im Ostragehege herrschte am Freitagmittag eine fast gespenstige Ruhe. Leere Flure und verwaiste Räume - fast alle Lehrer hatten sich der Protestkundgebung vor dem Landtag angeschlossen, um für bessere Arbeitsbedingungen und eine gerechtere Bezahlung zu demonstrieren.

Von benjamin Winkler

"Nur wenige haben sich nicht beteiligt", sagt Schulleiter Gernot Zeller. Für die 230 Kinder und Jugendlichen fiel der Unterricht aus. Die Sportmittelschule hatte aber wie die meisten Dresdner Schulen eine Notbesetzung eingerichtet.

"Über den Ausfall hatten wir per Elternbrief informiert", erklärt Eckhard Urban, der am Bertolt-Brecht-Gymnasium unterrichtet. "Das hat gut funktioniert. Nur zwei Schüler waren erschienen, die betreut wurden." Er und seine Kollegen hatten sich gestern früh um neun Uhr im Schulhaus versammelt, bevor sie gemeinsam zum Landtag fuhren. Zu der Kundgebung waren insgesamt 12 000 Menschen erschienen - eine der größten Protestaktionen, die je vor dem Parlament stattfand. Nach Angaben von Petra Thie vom Sächsischen Lehrerverband (SLV) haben sich rund 3000 Dresdner Pädagogen an der Demonstration für eine bessere Bildungspolitik beteiligt. Dem Streikaufruf seien mindestens zwei Drittel der 133 kommunalen Dresdner Schulen gefolgt, schätzt Sabine Gerold, Landesvorsitzende der Lehrergewerkschaft.

Ungewöhnlich war, dass der Warnstreik gleich zu Beginn des Schuljahres stattfand. "Doch für einen Streik gibt es nie den optimalen Zeitpunkt", findet Uwe Brestrich-Chill, Lehrer am Brecht-Gymnasium. "Da heute der neue Doppelhaushalt im Landtagsplenum erstmals diskutiert wird, wollen wir ein Zeichen setzen", ergänzt Eckhard Urban. Konkret fordern Sachsens Lehrer eine Lohnangleichung und einen Tarifvertrag mit Altersteilzeitreglung. Dadurch könnten in Zukunft mehr junge Pädagogen eingestellt werden.

An der 30. Grundschule schien alles seinen gewohnten Gang zu gehen. Die Kinder spielten ausgelassen auf dem Pausenhof. Doch auch an der Grundschule im Hechtviertel beteiligten sich 14 der 20 Lehrer am Warnstreik. "In den ersten beiden Stunden fand für die 350 Schüler jedoch normaler Unterricht statt", sagt Schuldirektor Mathias Gläsel. Während die Kinder der vierten Klassen anschließend nach Hause gehen durften, seien knapp 200 Schüler dageblieben. "Für sie haben wir spezielle Betreuungsangebote. Sie können Fußball spielen oder einen Film schauen", so Gläsel. Die Eltern hätten viel Verständnis für die Situation gezeigt, schließlich gehe es um eine wichtige Sache. "Für mich brachte der heutige Streiktag keine Schwierigkeiten mit sich", sagt auch Matthias Rethberg, der gerade seinen Sohn Marian aus der Grundschule abholte.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.09.2012

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