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15-jähriger Görlitzer besucht Dresdner Sprachheilschule, bekommt aber Wohnheimkosten nicht erstattet

15-jähriger Görlitzer besucht Dresdner Sprachheilschule, bekommt aber Wohnheimkosten nicht erstattet

Seit fast einem Jahr läuft die Görlitzerin Cornelia Münch vergeblich von Hinz zu Kunz. Niemand will die Kosten für den Platz im Wohnheim übernehmen, den ihr Sohn braucht, um als Integrationsschüler die 36. Oberschule besuchen zu können.

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Acht Jahre hat Max im Wohnheim an der Fischhausstraße gelebt. Jetzt zahlt niemand mehr die Kosten.

Quelle: Dietrich Flechtner

Das Wohnheim für sprachbehinderte Kinder an der Fischhausstraße indes steht seit langem halbleer.

Was für eine Odyssee: Seit fast einem Jahr gelangt der 15-jährige Max (*) auf abenteuerliche Weise in die Schule. Nächste Woche muss er gegen 4.30 Uhr in Wünschendorf aufstehen, um pünktlich 7.30 Uhr an der Emil-Ueberall-Straße in Löbtau zu sein. Denn um diese Zeit geht der Unterricht an der 36. Oberschule los. Wünschendorf liegt im Landkreis Sächsische Schweiz. Freunde seiner Mutter leben dort. Sie nehmen den Jungen für ein Weilchen bei sich auf. So kommt Max mal bei Verwandten unter, mal bei Freunden. Ein richtiges Zuhause hat er nicht mehr. Seine Eltern sind Schausteller und mit ihrem kleinen Familienunternehmen in ganz Sachsen unterwegs (DNN berichteten).

Das Dilemma ist folgendes: Acht Jahre besuchte Max erst die Sprachheilschule, später eine Integrationsklasse der 36. Oberschule. Die Woche über lebte er im Wohnheim, das sich auf dem Gelände der Sprachheilschule befindet. Doch seit September 2012 übernimmt das Sozialamt in Görlitz die Kosten für den Heimplatz in Höhe von 75 Euro pro Tag nicht mehr. Für diese Eingliederungshilfe existiere keine Rechtsgrundlage mehr, heißt es zur Begründung. In der Folge setzte sich u.a. SPD-Landtagsabgeordnete Eva-Maria Stange für den Jungen ein und versuchte nahezu ein halbes Jahr lang, zwischen der Mutter und den Ämtern zu vermitteln. Teilweise mit vermeintlichem Erfolg: "Die Teilnehmer sind sich einig, dass unter Berücksichtigung des Kindeswohls eine weitere integrative Unterrichtung an der Sprachheilschule Dresden mit Heimunterbringung ermöglicht werden soll", heißt es im Ergebnisprotokoll eines Gesprächs im Kultusministerium vom 1. Februar. Das Sozialamt in Görlitz weigerte sich dennoch, die Kosten zu zahlen und verwies darauf, dass Max bereits eingegliedert sei. Als "ein wahres Trauerspiel der Bürokratie" bezeichnet SPD-Frau Stange diese Haltung.

Antje Leisner, Vorsitzende des Landesverbandes Sachsen der Deutschen Gesellschaft für Sprachheilpädagogik und Lehrerin im Förderzentrum Sprache, kennt den Jungen seit der 5. Klasse. "Max hat sich gut entwickelt, er hat das Zeug, den Realschulabschluss zu machen", bescheinigt sie ihm. Gleichwohl habe er noch sprachliche Defizite und fasse zudem schwer Vertrauen zu Fremden. Wünschenswert sei deshalb, dass er an der Schule bleibt.

Die Regionalstelle Bautzen der Bildungsagentur hatte der Mutter angeboten, den Jungen in Görlitz an einer Oberschule unterzubringen. "Das würde bedeuten, dass sich Max in einem ganz schwierigen Alter mit seinen sprachlichen Besonderheiten komplett neu einsortieren müsste", gibt Antje Leisner zu bedenken. "Er will unter keinen Umständen nach Görlitz in die Schule gehen", bestätigt denn auch die Mutter. Sie befürchtet nun, dass ihr Sohn zum Schulverweigerer werden könnte.

"Wir müssen uns im gesetzlichen Rahmen bewegen, die Stadt Görlitz kann ja nicht einfach irgendwo eine Schatulle öffnen", sagt Lothar Bienst, schulpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, auf DNN-Nachfrage. Auch er hatte versucht zu vermitteln. Wenn man hier eine Ausnahme schaffe, so Bienst, stünden am nächsten Tag viele Leute auf der Matte und wollten das Gleiche haben, meint er. Er rät der Mutter, den Jungen trotz allem in Görlitz an der Oberschule anzumelden oder aber sich Sponsoren zu suchen, damit Max wieder in Dresden im Wohnheim unterkommen kann. (*) Name geändert

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.09.2013

Katrin Richter

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