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Radverkehr in Dresden: Konzept soll noch vor Sommer in den Stadtrat

Ein Teil des Körnerwegs wird saniert Radverkehr in Dresden: Konzept soll noch vor Sommer in den Stadtrat

Der Radverkehr in Dresden ist im letzten Jahr weiter angestiegen. Wird die Stadt dem Anstieg mit entsprechender Infrastrukturplanung gerecht? Befürworter des Radverkehrs zeigen sich in diesem Jahr vorsichtig optimistisch.

Im Vergleich zum Vorjahr waren 2015 vier Prozent mehr Radfahrer auf den Straßen der Landeshauptstadt unterwegs.

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Der Radverkehr in Dresden ist im letzten Jahr weiter angestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr waren 2015 vier Prozent mehr Radfahrer auf den Straßen der Landeshauptstadt unterwegs, gegenüber 2011 waren es im vergangen Jahr sogar 22. Das zeigt die Auswertung der sechs festen Zählstellen, die die Stadt betreibt. Am höchsten fallen die Werte auf der Waldschlößchenbrücke aus: Über 800 000 Mal nutzten Radler die Elbquerung im letzten Jahr.

Wird die Stadt dem Anstieg mit entsprechender Infrastrukturplanung gerecht? Befürworter des Radverkehrs zeigen sich in diesem Jahr vorsichtig optimistisch. „Es scheint langsam voranzugehen“, sagt der verkehrspolitische Sprecher der Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Johannes Lichdi. Er begrüßt, dass 2016 im Bereich der Bürgerwiese zwischen Georg- und Lennéplatz ein lange angekündigter Radstreifen entsteht und die Stadt den bestehenden Radstreifen dort erneuert. Es ist mit 985 000 Euro das teuerste Radinfrastrukturprojekt der Stadt in diesem Jahr, die Realisierung ist im dritten Quartal geplant. Die Stadt erneuert 2016 außerdem Radwege am Käthe-Kollwitz-Ufer und auf der Winterbergstraße zwischen Dobritzer und Georg-Marwitz-Straße.

Der Ausbau des Elberadwegs verläuft gemischt: Am Körnerweg wird ein Teil des umstrittenen holprigen Abschnitts zwischen Heilstättenweg und Loschwitzer Hafen erneuert, dafür stehen 185 000 Euro aus Mitteln zur Beseitigung von Hochwasserschäden zur Verfügung. Die Dresdner Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) und die Interessengemeinschaft Historischer Körnerweg hatten in der Vergangenheit über Ausbauvarianten gestritten. Nun wird in Höhe des Heilstättenwegs auf etwa 100 Metern bruchrau gespaltener Sandstein verlegt. Das ist laut ADFC zwar eine „deutliche Verbesserung gegenüber dem jetzigen, miserablen Zustand“. Es gebe jedoch nutzerfreundlichere Varianten, die mit Denkmalschutz vereinbar seien. Laut Aussage der Stadt könnte der Körnerweg in mehreren Abschnitten komplett saniert werden, wenn sich die geplante Bauweise bewährt und genügend Mittel zur Verfügung stehen.

Anderswo am Elberadweg stockt der Ausbau aufgrund von EU-Naturschutzrichtlinien. In der Johannstadt soll ein Parallelweg zum Elberadweg entstehen, außerdem ist zwischen Altkaditz und der Autobahnbrücke ein neues Stück Radweg geplant. Da beide Abschnitte in Schutzgebieten liegen, sind umfangreiche Planungsverfahren notwendig, einen Zeitpunkt für den Baubeginn kann die Stadt nicht nennen.

Ein Projekt, das das Straßen- und Tiefbauaumt noch 2016 realisieren will, sorgt für Unmut: eine Ampel für Fußgänger und Radfahrende über die Bautzner Straße (DNN berichteten). Sie soll Alaun- und Glacisstraße verbinden. „Ich halte eine Ampel an dieser Stelle für geeignet und sinnvoll“, sagt der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Stadtratsfraktion Gunter Thiele. Für eine Alternative wie einen Zebrastreifen sei das Verkehrsaufkommen zu hoch. ADFC und Grüne sind gegen die Ampel, der ADFC bevorzugt eine bauliche Lösung. Eine Ampel bedeute für alle Verkehrsteilnehmer Wartezeiten, Lichdi verweist auf die hohen Kosten – veranschlagt sind 300 000 Euro.

Ein Radverkehrskonzept Gesamtstadt, das der Stadtrat bereits 2005 in Auftrag gab, ist bis heute in der Entstehung. Allerdings könnte sich das bald ändern: Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) will eine Vorlage noch vor der Sommerpause in den Arbeitsgang des Stadtrats einbringen. Davor will Schmidt-Lamontain über den Inhalt keine Auskunft geben. Eine Arbeitsgruppe von externen Experten, Verwaltung und Interessenvertretern erarbeitet das Konzept seit Dezember 2013, auch der ADFC sitzt mit am Tisch. „Es wird ein gutes Konzept“, sagt Vorstandsmitglied Nils Larsen. „Zum ersten Mal wird systematisch geschaut, wie man den Radverkehr verbessern kann.“ Bisher habe die Stadt nur punktuell in den Radverkehr investiert, wo ohnehin wegen Kanal- oder Schienenarbeiten gebaut wurde. „Die Herausforderung mit dem Konzept ist: Was wird damit gemacht? Wir befürchten, dass die Stadtverwaltung nicht ausreichend Kapazitäten hat, um die Investitionen zu planen“.

Der ADFC hatte in den vergangenen Jahren kritisiert, dass Gelder liegenbleiben und mehr Stellen für Radverkehrsplaner in einem zentral Radbüro gefordert. Doch in diesem Jahr kommt Bewegung in die Verwendung der Haushaltsmittel, die für den Radverkehr bestimmt sind. Die rund 2 Mio. Euro, die im Straßen- und Tiefbauamt für 2016 für reine Radprojekte vorgesehen sind, sind vollständig verplant. „Nachdem eine Anfrage letzten Sommer noch zeigte, dass die Stadtverwaltung bereitgestellte Mittel in Millionenhöhe einfach liegen ließ, freue ich mich, dass die von RGR gesetzten Prioritäten nun auch endlich praktisch umgesetzt werden“, sagt Lichdi. Gelder, die die Stadt nicht ausgab, wurden ins nächste Haushaltsjahr übertragen und standen weiterhin für Radwegebau zur Verfügung.

Wann die Gefahrenstelle an der Ecke Bautzner/Rothenburger Straße behoben wird, ist unklar. Hier starb im Februar eine Radfahrerin, nachdem sie von einem Betonmischer überfahren wurde, der sie überholte. Der ADFC bemängelt die Stelle seit Jahren. Ursprünglich wollte die Stadt 2017 im Rahmen von Baumaßnahmen der DVB hier einen Radweg bauen. Ob die Stadt nach dem tödlichen Unfall nun vorher tätig wird, bleibt abzuwarten. Derzeit wartet sie auf die Auswertung der Unfalldaten durch die Polizei.

Von Miriam Kruse

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