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Flusskreuzer und die Leichtigkeit des Seins

Technologie aus Dresden Flusskreuzer und die Leichtigkeit des Seins

Zwei Viking-Schiffe aus der Rostocker Neptun-Werft haben wenig Tiefgang. Das verdanken sie vor allem den Dresdner Elbe Flugzeugwerken.

Die „Viking Beyla“ ankert ebenso regelmäßig wie ihr Schwesternschiff, die „Astrild“ am Dresdner Elbufer. Die zwei Flusskreuzer sind erst in diesem Jahr in der Rostocker Neptun Werft vom Stapel gelaufen und auch dank der verarbeiteten Teile aus den Elbe Flugzeugwerken besonders leicht und wendig.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Sie sind kürzer, leiser und vor allem: leichter. Die zwei wendigen Flusskreuzfahrtschiffe der Luxuslinie Viking – „Astrild“ und „Beyla“ – gibt es erst seit März dieses Jahres. Gebaut wurden sie in der Rostocker Neptun Werft. Und zwar speziell für Flussreisen von Prag über Dresden bis Berlin, die die Schweizer Reederei Viking River-Cruises fast ausschließlich an amerikanische Touristen verkauft. Die legen für so eine Sieben-Tages-Reise laut Website um die 3700 Euro hin. Das sagt schon viel über den Standard auf den zwei Schwesternschiffen, die seit dem Frühjahr  regelmäßig am Dresdner Elbufer unterhalb des Landgerichts anlegen. Während des extremen Niedrigwassers im August allerdings musste selbst die leichte „Beyla“ ihren Aufenthalt unfreiwillig verlängern – kein Wegkommen für niemanden.

Damit die zwei Luxusliner die Elbe mit ihrem meist niedrigen Pegel überhaupt befahren können, haben sich die Rostocker, die zur Papenburger Meyer Werft gehören, Hilfe aus Dresden geholt. Wichtigster Punkt: Tiefgang reduzieren.

Dazu begab es sich, dass eines Tages der Chef der Dresdner Elbe Flugzeugwerke (EFW), Andreas Sperl, bei einer Abendveranstaltung in Frankfurt am Main zufällig neben dem Chef der Meyer Werft, Bernard Meyer, zu sitzen kam. Man plauderte, das Problem mit dem Tiefgang kam zur Sprache, passend dazu das Portfolio der Dresdner Flugzeugwerft, zu dem ultraleichte Teile für die Airbusfamilie gehören.

Im Ergebnis entstand ein Pilotprojekt: Die EFW-Tochter CCI-Assembly in Kodersdorf entwarf Leichtbaupaneele für Kabinenwände der „Schiffe einer neuen Klasse“: nur 110 Meter lang, zwölf Meter breit und so leicht, dass der Tiefgang auf rund 95 Zentimeter gedrückt wurde. „Mit unseren Kabinenwänden werden die Schiffe um bis zu 30 Prozent leichter“, sagt Andreas Sperl. Und berichtet  von einem Besuch auf der „Astrild“, bei dem der Kapitän im Namen der Passagiere auch lobte, wie leise das Schiff ist.

Weil natürlich niemand ohne Tests und gestempelte Urkunden Teile in Verkehrsmittel einbaut, die Personen befördern, mussten auch die EFW zuvor mit ihren Produkt zur Zertifizierung antreten. Müßig zu erwähnen, dass die Musterkabine bei den entscheidenden Parametern Gewicht, Durchbrenndauer und Akustik Top-Noten erhielt. „Sie müssen nicht aufs Schiff, um mal einen Blick in eine Kabine zu werfen. Ein Muster steht noch mitsamt Innenleben in Kodersdorf“, sagt Andreas Sperl, „nur dass man beim Blick aus dem Fenster halt kein Wasser sieht“.

Der EFW-Chef hofft, mit dem Auftrag für die kleinen Flusskreuzer langfristig die Tür zum Markt für große Kreuzfahrtschiffe aufstoßen zu können. Obwohl die ultraleichten Teile aus Sachsen teurer seien als herkömmliche Materialien, lägen die Vorteile auf der Hand: „Mit weniger Gewicht – bei den großen Kreuzfahrtschiffen reden wir schnell von mehreren hundert Tonnen – verbraucht man weniger Kraftstoff. Oder kann noch ein Deck obendrauf bauen“. Voraussetzung: „Die Produktion der Leichtbaupaneele muss auf einen industriellen Maßstab umgestellt werden – wir reden also von Massenproduktion“, sagt Sperl. „So eine Branche muss sehen, dass wir das können“. Deshalb hoffe er auf eine weitere Chance bei der Meyer Werft und bewähre sich gern noch einmal mit zwei, drei kleineren Flusskreuzern, ehe die wirklich großen Ozeanriesen ins Visier genommen werden können. Sperl: „Wenn wir an so ein Thema gehen, wollen wir es auch perfekt im Griff haben“.

EFW Dresden

Geschäftsfelder:
- Umrüstung von Airbus-Passagiermaschinen zu Frachtern
- Flugzeugwartung
- Teilelieferant für: Airbus-Innenräume, Zulieferer von Fußbodenplatten für die neue Straßenbahngeneration von Bombardier Transportation, Entwicklung und Produktion von Wänden für Kreuzfahrtschiffe

Mitarbeiterzahl: rund 1100

Jahresumsatz: gut 200 Millionen Euro

Eigentumsverhältnisse: Bis zum Sommer war Airbus Mehrheitseigner der Elbe Flugzeugwerke Dresden mit 65 Prozent der Anteile. Im Juni hat der bisherige Minderheitseigner ST Aerospace (Singapur) seine Anteile auf 55 Prozent aufgestockt und ist neuer Merheitseigner. Im Gegenzug erbringt der Konzern aus Fernost die Ingenieurleistung für die Umrüstung des A320.

Barbara Stock

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