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Dresdner Verkehrsbetriebe testen Formel1-Technik am Linienbus

Geheimer Test Dresdner Verkehrsbetriebe testen Formel1-Technik am Linienbus

Hinter hohen Wällen, höchst geheim haben die Dresdner Verkehrsbetriebe einen Bus mit ganz besonderen Felgen getestet. Auf dem Dekra-Oval neben dem Lausitzring war dabei Technik im Einsatz, die man bisher nur aus der Formel1 kennt.

Uwe Reichel schraubt eine Karbonfelge an den Elektrobus.

Quelle: Christoph Springer

KLETTWITZ. Was für die Formel1-Piloten Nico Rosberg und Sebastian Vettel taugt, kann auch für die Dresdner Bus-Fahrgäste nicht verkehrt sein. Die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) setzen auf Top-Technik. Wie Formel1-Rennwagen sollen auch ihre Busse künftig auf Karbonfelgen fahren. Denn die sind viel leichter als Stahlfelgen. Dazu kommt besserer Fahrkomfort. Die Felgen aus dem Backofen, die das Kesselsdorfer Unternehmen ThyssenKrupp Carbon Components gemeinsam mit Leichtbau-Fachleuten der Technischen Universität Dresden entwickelt hat, haben einen Alu-Kern, durch den sie mit zehn mächtigen Bolzen auf die Bus-Radnabe geschraubt werden. Genau wie herkömmliche Stahlfelgen. Aber sie wiegen gerade mal 18 Kilo, während die Reifen-Montierer bei einer Stahlfelge mehr als 40 Kilo plus das Reifengewicht auf die Nabe wuchten müssen. Dazu kommt: Sie sind leiser. „Stahlfelgen wirken wie eine Glocke“, sagt Robert Roch, Chef der Kraftfahrzeugsparte bei den Verkehrsbetrieben, „sie übertragen Geräusche in den Innenraum“. Das entfällt bei den Karbonfelgen.

Das geringere Gewicht macht sich auch beim Fahren bemerkbar. Der Spritverbrauch sinkt, sind die Techniker und Wissenschaftler überzeugt. Sie erwarten, dass der Verbrauch um 1,5 bis zwei Prozent niedriger liegt als bei Stahlfelgen. Wie viel es am Ende wirklich sind, wurde in dieser Woche bei standardisierten Testfahrten auf dem fünf Kilometer langen Dekra-Testoval neben dem Lausitzring ermittelt. „Man sieht eine Tendenz“, stellte Jörn Kiele fest, wissenschaftlicher Mitarbeiter am TU-Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik. Genauere Werte konnte oder wollte er nach den Testfahrten noch nicht nennen.

Die Verkehrsbetriebe gehen davon aus, dass das Sparpotential der neuen Felgen so groß ist, dass sich die Anschaffung der derzeit noch sündhaft teuren Reifenträger aus Karbon auf jeden Fall lohnt. Sie sollten dann nicht viel mehr als eine aktuelle Alufelge für Busse oder Laster kosten, also rund 300 Euro, meint Roch. Zum Vergleich: Eine Stahlfelge für einen Bus kostet die DVB derzeit rund 130 Euro. „50 Prozent des Einsparpotenzials geben wir gern weiter“, erklärt er die aufteilung des „Gewinns“, den er sich vom Einsatz der Karbonfelgen verspricht. Und das Wichtigste: Schon im nächsten Jahr könnte es so weit sein. Roch rechnet damit, dass das Genehmigungsverfahren bei Kraftfahrtbundesamt noch in diesem Jahr abgeschlossen werden kann. Dann sollte die Serienproduktion der Karbonfelgen in Kesselsdorf starten, an denen künftig sicher auch andere Nahverkehrsunternehmen haben. „Lkws könnten dann sogar mehr laden, weil sie ja einge Gewichtsbeschränkung haben“, beschreibt Jörn Kiele einen weiteren Nutzen der neuen Felgen. Da winkt ein Millionenmarkt – allein die Dresdner Verkehrsbetriebe brauchen etwa 1000 Busfelgen und wechseln sie alle sechs Jahre. Die Karbonteile, made mit Dresdner Know how und Kesselsdorfer Technik, könnten also ein ganz großes Geschäft werden.

Das weitere Testprogramm

Heizung und Kühlung mittels Wärmepumpe: In einem Mercedes-Hybridbus testen die DVB den Einsatz einer Wärmepumpe, um das Innere in der Übergangszeit – also zum Beispiel beim Jahreszeitenwechsel zum Winter und zum Sommer – zusätzlich zu heizen oder zu kühlen. Die Verantwortlichen erwarten, dass der Heizöl-Bedarf für die normale Heizung dadurch um zehn bis 20 Prozent reduziert werden kann. Im gleichen Hybridbus wird auch Abgas-Wärme in einem Wärmetauscher gewonnen, um den Bus zu heizen. Das Projekt wurde im Rahmen einer Diplomarbeit eines TU-Studenten umgesetzt. DVB-Centerleiter Robert Roch erwartet, dass zusätzlich bis zu 15 Prozent Heizöl gespart werden können. Infrarotheizung: In ebendiesem Bus wird auch eine Infrarotheizung getestet. Der sogenannte Kaltstrahler befindet sich im vorderen Bereich des Busses und vermittelt ein Wärmegefühl auf der Haut, ähnlich wie die Sonne an einem Schneetag im Hochgebirge.

Steuer-Computerprogramme denken mit: Der technisch hochgerüstete Mercedes-Hybridbus sammelt mit fast 120 zusätzlichen Sensoren Betriebsdaten wie Temperaturen, Drücke, Ströme und Spannungen. Sie werden mit äußeren Einflüssen und dem Streckenverlauf abgeglichen, selbst die Zahl der Fahrgäste wird dabei berücksichtigt. So wird die Innenraumheizung abgeschaltet, wenn sie nicht benötigt wird. Die Software kennt auch die Strecke und kann so den Stromverbrauch minimieren, wenn es gerade gut ist, Zusatzgeräte abzuschalten, um dem anspruchsvollen Streckenverlauf gerecht zu werden. Der Einsatz der Assistenzsysteme, die den Fahrer unterstützen sollen, ist aber noch nicht voll machbar. Dazu bräuchte der Bus eine Neuzulassung. Die Technische Universität hat deshalb ein Simulationsgerät entwickelt, mit dem sich bestimmte Fahrerhilfen ausprobieren lassen.

Reiner Elektroantrieb: Der „Stromer“ der polnischen Busfirma Solaris, den die DVB zwischen Mickten und Übigau einsetzen, wurde jetzt beim Karbonfelgen-Test auf dem Lausitzring genutzt. Dorthin ist er problemlos ausschließlich elektrisch gefahren, so Centerleiter Robert Roch. Die einjährigen Erfahrungen mit dem Bus haben ergeben: Die Akkukapazität ist zu reichlich bemessen, der Bus kommt beim von den DVB gewünschten Einsatzspektrum auch mit weniger Akkus aus. Wünschenswert ist jetzt die Entwicklung einer genormten Ladestation. Die soll es EU-weit 2019 geben. Die DVB rechnen damit, dass danach etwa 2021 eine deutliche Ausweitung des Elektrobus-Einsatzes machbar ist.

Von Christoph Springer

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