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Dresdner Verkehrsbetriebe bleiben beim Verbot von E-Scootern

Gefahr in Bus und Bahn Dresdner Verkehrsbetriebe bleiben beim Verbot von E-Scootern

Nach Unfällen mit sogenannten E-Scootern und Bussen und Straßenbahnen haben die DVB die Reißleine gezogen und solche Gehhilfen in Dresden aus ihren Fahrzeugen verbannt. Das wird nicht kritiklos hingenommen.

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Dieses Bild aus einer Dresdner Straßenbahn ist aus Sicht der DVB Beleg dafür, wie gefährlich ein E-Scooter werden kann.

Quelle: DVB

Dresden. Es bleibt für Jörg Vetter und seine etwa 90 Leidensgenossen in Dresden dabei: Bus und Bahn sind für sie bis auf Weiteres tabu. So haben das die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) nach langer Abwägung entschieden. Basis dieser Entscheidung sind unter anderem Empfehlungen des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und Überlegungen, die die DVB-Verantwortlichen zusammen mit Vertretern des Landesverbandes Selbsthilfe Körperbehinderter Sachsen (LSKS) angestellt haben. Sie sind sich einig: Die sogenannten E-Scooter, die diese 90 Dresdner nutzen, können in den Straßenbahnen und Linienbussen zur Gefahr werden – für die Körperbehinderten selbst und alle anderen Fahrgäste, sagt Verkehrsbetriebe-Vorstand Lars Seiffert.

Zu dieser Entscheidung haben technische Eigenschaften dieser Gehhilfen geführt: Ihr Wendekreis ist zu groß, um sie so zu drehen, dass sie sicher in einer Bahn oder einem Bus geparkt werden können. Und sie sind hoch gebaut, können also bei einem Notbremsmanöver umkippen. Im November ist das in einer Straßenbahn an der Ecke Stübelallee/Lipsiusstraße passiert. Ein Lkw kam der Straßenbahn in die Quere, der Fahrer musste heftig bremsen. Hinten in der Bahn kippte ein quer stehender E-Scooter um. Ein Fahrgast filmte die Szenerie damals zufällig mit seinem Handy. Heute ist das Bild mit dem umkippenden Scooter Beleg für die Entscheidung der DVB-Verantwortlichen gegen die Fahrzeuge.

Dabei berufen sie sich nicht nur auf bundesweit anerkannte Einschätzungen, sondern auch auf die Hinweise der Scooter-Hersteller selbst. Ullrich Funk, Chef des DVB-Fahrbetriebs, weist darauf hin, dass in allen Bedienungsanleitungen Regeln für den Transport der Gehhilfen in Fahrzeugen zu finden sind. Diese reichen von der Vorschrift, dass die E-Scooter angegurtet werden müssen, bis hin zu der Regel, dass der Nutzer absteigen muss während des Scooter-Transports.

Dennoch machten sich die DVB die Entscheidung gegen die Fahrer dieser Rollstühle nicht leicht. Denn das Nahverkehrsunternehmen ist verpflichtet, alle potenziellen Kunden mitzunehmen. Und gerade Menschen mit Handicap brauchen Bus und Bahn. So sehen das auch Scooter-Nutzer Jörg Vetter und Thomas Pietsch, der einen Elektrorollstuhl hat. „Alle müssen mitgenommen werden“, ist Pietsch überzeugt. Sein Rollstuhl hat wie der Scooter von Jörg Vetter einen zu großen Wendekreis, um in einer Bahn drehen zu können. „Aber der Schwerpunkt liegt tiefer“, lautet das Argument der Verkehrsbetriebe, mit dem begründet wird, dass dieser Rollstuhl kein Problem in Bussen und Bahnen ist.

„Ich fahr das Ding seit fünf Jahren schon und es ist noch nie etwas passiert“, regt sich Jörg Vetter auf. „Ich fahr bei der Linie 3 hinten rein, weil ich da bei den Fahrrädern richtig stehen kann“, erklärt er seine Methode. Doch auch das ist aus Sicht der DVB keine dauerhafte Lösung. Sie bestehen darauf, dass Busse und Bahnen vorerst nicht von Scooterfahrern genutzt werden. Für Jörg Vetter ist das bald kein Problem mehr, denn er bekommt demnächst eine neue Gehhilfe – einen Rollstuhl mit Elektroantrieb, der mit einem Joystick gesteuert wird und auf der Stelle drehen kann. Genau das, was die DVB als optimale Lösung ansehen.

Auch alle anderen Scooterfahrer sollten auf solche Rollstühle umsteigen können, ist Peter Münzberg vom LSKS überzeugt. Er selbst fährt ebenfalls einen solchen Elektrorollstuhl und hat schon oft gezeigt, wie beweglich er damit ist. Rein in die Bahn, drinnen drehen, raus aus der Bahn – für Münzberg ist das eine Sache von Sekunden. Doch er befürchtet: „Die Krankenkassen suchen nach billigen Lösungen“, und Elektroscooter sind billiger als ein E-Rollstuhl mit Joystick-Steuerung. Findet sich keine technische Lösung, um künftig die hoch gebauten Scooter doch sicher in Bussen und Bahnen mitnehmen zu können, dann dürfe ein Techniktausch für die Betroffenen nicht ausgeschlossen werden,sagt er. Und die Behindertenverbände müssten dazu mit den „zuständigen Leistungserbringern“, also den Krankenkassen, Gespräche führen.

Bis es so weit ist, müssen Jörg Vetter und seine Leidensgenossen selbst die Initiative ergreifen – und vorerst auf Bus und Bahn verzichten. Dann bleiben ihnen nur die Transportangebote teurer Dienstleister, die sich viele nicht leisten können.

Von Christoph Springer

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