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„Beim Thema Elektro-Mobilität ist viel, viel Dynamik drin“

Klimaschutzbüro „Beim Thema Elektro-Mobilität ist viel, viel Dynamik drin“

Sachsens Landeshauptstadt will Modellstadt für Elektromobilität werden. Das hatte Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) im April dieses Jahres vollmundig verkündet. Wie weit ist die Stadt seitdem damit gekommen? Und vor allem: Wer kümmert sich darum? Wer diese Frage stellt, landet bei Ina Helzig.

Quelle: dpa

Dresden.  Sachsens Landeshauptstadt will Modellstadt für Elektromobilität werden. Das hatte Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) im April dieses Jahres vollmundig verkündet. Wie weit ist die Stadt seitdem damit gekommen? Und vor allem: Wer kümmert sich darum?

Wer diese Frage stellt, landet bei Ina Helzig. Die 34-Jährige ist seit März 2011 Chefin des Dresdner Klimaschutzbüros, dessen Einrichtung der Stadtrat 2009 beschlossen hatte. Angesiedelt ist es gegenwärtig beim Umweltamt, doch in Kürze soll es als Stabsstelle in den Einflussbereich der aktuellen Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne) aufrücken.

Rathausflotte als Blaupause für die Stadt

„In der Dresdner Klimaschutzschutzstrategie ist der Verkehr – und da speziell die Elektro-Mobilität – nur ein Baustein“, baut Ina Helzig schon mal vor, wenn es um Erwartungen an ein fertiges Konzept geht. Das nämlich gibt es nicht, kann es noch nicht geben: „Da ist viel, viel Dynamik drin“, sagt Helzig und verweist zu Recht auf die unzähligen Förderprogramme von Ländern und Bund, die gegenwärtig unter dem Label Umweltschutz ganz ungeniert der deutschen Autoindustrie mit Milliarden unter die Arme greifen.

türlich zapft auch Dresden solche Geldquellen an und bezahlt damit zum Beispiel Projektstellen, die sich um die Umstellung der kommunalen Fahrzeugflotte auf umweltfreundlichere Modelle beschäftigt. Denn bis 2050 soll sich der CO2-Ausstoß auch in Sachsens Landeshauptstadt um 80 Prozent verringern. Hehre Aufgabe in einer Stadt, die seit Jahren die Stickoxidbelastung der Luft nicht unter die EU-Grenzwerte pressen kann und fieberhaft nach Alternativen zur drohenden Umweltzone sucht.

Die E-Mobilität hilft da noch nicht wirklich weiter. Bei einem Anteil der Stromer an allen Autos von derzeit 0,1 Prozent wird sie fürs Klima – optimistisch betrachtet – frühestens in fünf Jahren relevant. Geplant werden muss aber jetzt. Das Klimaschutzbüro hat dabei zwei wichtige Ziele am Wickel: Einerseits konzipieren, wie die Stadt vielen Elektroautos gerecht werden kann. Andererseits skizzieren, wie sich Verkehr in der Stadt generell organisieren lässt.

Das Thema Elektroautos geht Ina Helzig ganz pragmatisch an. „Wir haben seit 2014 gemeinsam mit TU-Instituten und anderen Partnern 16 E-Fahrzeuge im Einsatz getestet, haben ein Dispositions-, Ressourcen- und Flottenmanagementsystem entwickelt, das sich auf eine Flotte wie unsere, nämlich mit 191 Fahrzeugen, anwenden ließe.“ Nun gehe es darum, bis Jahresende ein Konzept für den Rathaus-Fuhrpark fertigzustellen. Nahziel sei, die Zahl der Stromer von zur Zeit fünf bis 2017 auf 15 zu erhöhen.

Für die etwas fernere Zukunft geht eine vom Bund mit finanzierte und vom TU-Institut für Wirtschaft und Verkehr unterstützte Mobilitätsstudie den Fragen nach: Was wären die Maßnahmen, um diese über die ganze Stadt verteilte und mit unterschiedlichsten Anforderungen konfrontierte Flotte gesund zu betreiben? Welcher Anteil an Elektroautos ist sinnvoll? Können wir ungenutzte Autos am Wochenende fürs Car-Sharing anbieten? Wie lässt sich das alles transparent verwalten? „Diese Erfahrungen wollen wir dann auf die Gesamtstadt übertragen“, so Ina Helzig.

Für die gut 190 Stromer und 1300 Hybridfahrzeuge unter den mehr als 222 500 Fahrzeugen, die gegenwärtig in Dresden gemeldet sind, gibt es stadtweit lediglich 28 Ladesäulen. Um das langfristig zu ändern, hat sich Dresden gemeinsam mit der tschechischen Partnerstadt Litomerice um Geld aus der Regionenförderung der EU beworben. Es geht darum, Stromspeicher in Verbindung mit Ladesäulen errichten – um zum Beispiel Strom aus einer Photovoltaikanlage auf dem Dach zu speichern, damit abends das Auto was davon hat. Kommt das Okay der Sächsischen Aufbaubank, werde das Projekt angegangen. „Wir erwarten ein bis zwei Referenzprojekte. Dann schauen wir mal, ob sie in der Praxis eine Rolle spielen können“, sagt Ina Helzig.

Dürfen wir E-Auto-Fahrer bevorteilen?

Komplizierter gestaltet sich die generelle Verkehrsplanung, in die viele Bereiche des Rathauses mit ihren Fachleuten involviert sind. Das Klimaschutzbüro fragt: Wie gehen wir mit öffentlichem Straßenraum um? Wie weit wagt man sich als Stadt vor und bevorteilt einzelne Haltergruppen? Denn schließlich: Auch ein E-Auto ist ein Auto. Und am nachweislich effektivsten fürs Klima ist es nun mal, Bus, Bahn und Radfahrer zu fördern.

„Wir haben das im Blick“, sagt Ina Helzig. „Wir haben die Stadt nach so genannten Mobilitätspunkten durchforstet. Das sind geeignete Plätze, an denen sich öffentlicher Verkehr bündelt, wo sich zudem Stromtankstellen und Ausleihstationen für Räder und Teil-Autos einrichten lassen und auf die wir mit gut sichtbaren Infosäulen hinweisen können.“ Neben 13 zentralen Mobilitätspunkten – zum Beispiel am Pirnaischen Platz oder an den Bahnhöfen – soll es weiter wohnortnahe Punkte geben. Ein Entwurf sieht etwa 60 in der Stadt vor. Dass der nicht übermorgen umgesetzt wird, liegt nahe, denn zu klären sind Eigentumsfragen für die Grundstücke ebenso wie Belange der Anwohner, nicht zu reden von Investitionen für die erforderliche Infrastruktur.

Ina Helzig bleibt gelassen. „Wir gehen Schritt für Schritt vor. Jetzt eilig ein Konzept durchzupeitschen, wäre bei der rasanten Entwicklung der falsche Weg. Es könnte schon veraltet ist, ehe der Stadtrat es beschließt“.

Von Barbara Stock

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