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40.000 Dresdner stecken in der Lärmfalle

Masterplan Lärmminderung 40.000 Dresdner stecken in der Lärmfalle

Mehr als 40 000 Dresdner sind gesundheitsschädlichem Lärm in ihrem Wohnumfeld ausgesetzt. Diese Zahl nannte gestern Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen. Hauptverursacher von Lärm ist laut Jähnigen die Mobilität: Der Straßenverkehr liegt ganz vorne vor dem Bahnverkehr und dem Flugverkehr.

Dresden. Mehr als 40 000 Dresdner sind gesundheitsschädlichem Lärm in ihrem Wohnumfeld ausgesetzt. Diese Zahl nannte gestern Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Bündnis 90/Die Grünen). Gesundheitsschädlich ist ein Dauerlärmpegel von mehr als 55 Dezibel in den Nachtstunden und von 65 Dezibel am Tag. Hauptverursacher von Lärm ist laut Jähnigen die Mobilität: Der Straßenverkehr liegt ganz vorne vor dem Bahnverkehr und dem Flugverkehr.

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"Wir müssen als Stadt die richtigen Prioritäten setzen", sagt Jähnigen mit Blick auf die bald beginnenden Verhandlungen für den Doppelhaushalt 2017/2018. Die Stadt habe es bei der Sanierung von Fahrbahnen und der Ordnung von Verkehrsströmen in der Hand, Verkehrslärm zu reduzieren. Das sei in den vergangenen Jahren auch an mehreren Stellen gelungen. 32 Straßen konnten aus der Negativliste der lautesten Straßen gestrichen werden, darunter die Bautzner Straße, der Bischofsweg, die Leipziger Straße, der Körnerplatz, die Rudolf-Renner-Straße und die Tharandter Straße.

Doch es gebe noch jede Menge Sanierungsbedarf bei gepflasterten Fahrbahnen im Hauptnetz. Dazu zählen der Bischofsplatz, weitere Abschnitte des Bischofswegs, die Gerokstraße, die Hamburger Straße, die Königsbrücker Straße, Loschwitzer Straße, Stauffenbergallee und Warthaer Straße. "Wir haben wegen knapper Finanzen einen großen Sanierungsstrau im Straßennetz", so die Umweltbürgermeisterin, "deshalb sollten hoch belastete Straßen vorrangig saniert werden." Jähnigen zeigte sich "guten Mutes", dass es bei der umstrittenen Sanierung der Königsbrücker Straße schnell eine konsensfähige Variante geben wird. Gegenwärtig prüft die Stadtverwaltung einen neuen Vorschlag, Ergebnisse sind bis zum Jahresende nicht zu erwarten (DNN berichteten).

Seit gestern wird in den Gremien des Stadtrats der Masterplan "Lärmminderung" beraten, der laut Wolfgang Socher, Abteilungsleiter Stadtökologie im Umweltamt, die strategischen Ziele festsetzt. Einzelmaßnahmen sollen in Lärmaktionsplänen für Teilgebiete festgesetzt werden. So wurde der Entwurf für einen Aktionsplan für die Äußere Neustadt bereits offengelegt, für die Innere Neustadt und Friedrichstadt gibt es Vorentwürfe.

Auf der Friedrichstraße misst jetzt beispielsweise ein Ingenieurbüro regelmäßig den Lärmpegel. Die Strecke wird von einigen Fahrzeugführern laut Socher als Schneise genutzt - mit negativen Folgen für die Anwohner. Sollten die Werte regelmäßig deutlich überschritten werden, müsste die Stadt als Reaktion über ein Tempolimit auf der Friedrichstraße nachdenken, kündigte der Abteilungsleiter an.

Das sei auch auf anderen Straßen möglich, um den Lärmpegel zu senken. Wobei sich Socher wenig Illusionen hingibt: "Bei Tempo 50 beträgt die Durchschnittsgeschwindigkeit 60 Kilometer pro Stunde, bei Tempo 30 sind es 40." Wenn man die tatsächlichen Geschwindigkeiten zur Grundlage der Lärmkartierung machen würde, seien noch ganz andere Eingriffe in den Straßenverkehr erforderlich. "Wir müssen aber immer abwägen zwischen einem flüssigen Verkehr und dem Recht der Anwohner auf Lärmschutz."

Der Konflikt werde sich in einer wachsenden Stadt weiter verschärfen. Wenn sich mehr Menschen den gleichen Lebensraum teilen müssen, werde es lauter. Aufgabe des Umweltamtes sei es, so Socher, einen Ausgleich zu suchen und die sogenannten "ruhigen Gebiete" zu erhalten. "Wir sind in Dresden gut aufgestellt, weil wir die Elbwiesen, den Großen Garten, die Heide oder den Waldpark haben. Dort muss es aber auch ruhig bleiben." Was heißt, dass großflächige Veranstaltungen am Elbufer die Ausnahme bleiben sollten.

Die Dresdner haben laut Jähnigen das Thema Lärm sehr weit oben auf ihrer Prioritätenliste. Dabei weicht das subjektive Empfinden deutlich von den Messwerten ab: Zwar empfinden die meisten Dresdner den Straßenverkehr als größte Belastung, aber danach folgt der Lärm, der von Nachbarn, Passanten und Baustellen ausgeht. Bahn- und Fluglärm spielt dagegen im subjektiven Empfinden eine geringere Rolle.

Wenig Chancen sieht die Umweltbürgermeisterin, den Bahnlärm in der Stadt zu reduzieren. Dafür sei das Eisenbahnbundesamt zuständig, das nur die gesetzlich vorgeschriebenen Standards erfülle. "Wir müssen uns auf das konzentrieren, was in die Kompetenz der Stadt fällt", so Jähnigen. Heißt: Sanierung von Fahrbahnen, Weiterführung der Aktionspläne für die Stadtteile, Pilotprojekte mit "Flüsterasphalt", Rasengleise für die Dresdner Verkehrsbetriebe, Geschwindigkeitsmonitoring an Lärmbrennpunkten und ein Verdichten von Geschwindigkeitskontrollen.

Thomas Baumann-Hartwig

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